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Westfälisches Tennengericht: Ein Flipper in Handschellen

„Ganz aufgeregt bin ich“, versicherte die Schlagerlegende Olaf der Flipper. „Noch nie habe ich vor Gericht gestanden, und jetzt gleich in Handschellen“, jammerte der erfolgsverwöhnte Sänger.

Ganz so schlimm war es dann doch nicht, zumal ihm das Erscheinen vor dem Westfälischen Tennengericht zu Münster richtiggehend versüßt wurde. Mengen seines Lieblings-Naschwerkes Eierlikör-Pralinen nahm er mit auf die Anklagebank und konnte sogar den Mitangeklagten Gottlieb Wendehals damit trösten. Das machte das Warten auf ein gerechtes Urteil erträglicher.

Er war von Harry Wijnvoord, dem Staatsanwalt des Westfälischen Narrengerichtes, angeklagt, immer Unruhe in die Säle der Republik zu bringen, weil er für alle Damen, deren Namen ihm zugerufen werden, ein Lied mit persönlicher Nuance singt. Das dies nicht immer bei den begleitenden Herren gut ankommt, mußte er oft genug erleben.

Aber Olaf zog sich geschmeidig und elegant wie eben ein Flipper aus der Anklage, hatte er doch ein ganze Repertoire an sehnsuchtsvollen Liedern diverser Traumreiseziele wie „Barbados“ im Gepäck, so da er viel Romantik in den Saal zauberte.

Am Ende wurde eine lange Folge seiner Hits als Zugabe gefordert, womit er alle Herzen im Sturm eroberte. Das hatte zur Folge, das Olaf wieder ohne Handschellen auf den Bühnen Deutschlands stehen kann.

Pfundige Hamburger Klaus & Klaus vor Gericht

Als Zeugen waren die beiden schwergewichtige Hamburger als Zeugen vor dem Westfälischen Tennengericht zu Münster geladen. Angeklagt vor dem närrischen Gericht war die WDR-Studio-Münsterland-Leiterin Andrea Benstein.

Die aussagekräftige Anklage bezog sich vor allem darauf, daß der WDR kaum noch deutsche Schlager spielt, darunter leide die gesamte Unterhaltungsbranche, Klaus Baumgart stellte ihr vor dem Narrengericht die verwirrende und indiskrete Frage, warum denn die Nachrichten nicht auch in englisch gesprochen werden, wenn doch schon fast alle Schlager vom Sender verbannt sind und fast nur noch englischsprachige Musik gespielt wird.

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Um den Beweis ihrer Behauptung und den Nachweis des Unrechts, was der WDR seinen Zuhörern zufügt, anzutreten, brachten die beiden Hamburger den Saal zum Kochen mit ihren bekannten Liedern „An der Nordseeküste“ und vergaßen auch nicht ihr „Pferd vor der Tür“. Sie konnten sich am Schluß nicht verkneifen, der Angeklagten den Hinweis auf den Weg zu geben: „So, jetzt sehen Sie, was der Deutsche für seinen Zwangsbeitrag Rundfunk/Fernsehen haben will. Ob es allerdings was genutzt hat, da hatten Klaus und Klaus und alle im Saal erhebliche Zweifel.

Quelle
Dagmar Ambach
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