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Warum Krawall-Herausgeber Wolfgang Fellner mehr Schlager hören sollte

Oder: über Geschmack lässt sich (nicht) streiten!

Zugegeben, nicht alles lief perfekt bei Florian Silbereisens letzter TV-Show. Wetterbedingt fiel die Probe aus und Stars wie Semino Rossi mussten vor laufender Kamera buchstäblich ins kalte Wasser springen. Kleine Probleme bei einer Fernsehshow stehen in keinem Gegensatz zur Begeisterung der Fans. 4,3 Millionen Menschen waren in der ARD dabei und knapp eine halbe Million applaudierten im ORF dem ersten großen Schlager-Spektakel nach dem COVID-19-Shutdown.

Nur einer fand ein offensichtliches großes Haar in der Suppe und müsste es eigentlich besser wissen: Medienmacher Rudi Klausnitzer ließ im Internet seiner Schlagerfeindlichkeit, die auch täglich in seinem Radioprogramm zu hören ist, allerdings schlagfertig freien Lauf. Der ehemalige Ö3-Wecker-Star werkt mittlerweile bei „Radio Austria“ von Wolfgang Fellner und seiner Boulevardzeitung „Österreich“. Und dieser Sender ist nicht gerade von Erfolg gekrönt: Im aktuellen Radiotest, also der Bestenliste der Radiosender, kommt das Fellner-Radio gerade mal auf 143.000 Hörer pro Tag im ganzen Land – also ein knappes Drittel der Silbereisen-Zuschauer im österreichischen Fernsehen. Um eine Größenordnung zu schaffen: Radio Tirol, das gerne und oft auf volkstümliche Musik und Schlager im Programm setzt, hören 195.000 Menschen pro Tag. Dabei reden wir von einem Sender für ein Bundesland und nicht einem nationalen Radio, das nach außen groß auftrumpft. Bei „Radio Austria“ kennt man seine Hörerschaft und deren Musikgeschmack wohl nicht allzu gut, wie die Zahlen zeigen. 

© Screenshot

Dafür nimmt der pensionsreife Radiomann (im August wurde er 72 Jahre alt) den Mund im Internet ganz schön voll. Er schreibt: „Florian Silbereisen und Konsorten reiten mit Hilfe von ORF und ARD auf diesem wunderbaren Flecken von Österreich in einer Art und Weise auf, dass einem zum Kotzen wird.“ Damit gibt sich der alternde Medienmacher auf der Gehaltsliste des Boulevard-Senders aber nicht zufrieden. Er unterstellt sinngemäß den öffentlich-rechtlichen Sendern, einen „alpenländischen Ballermann“ zu bewerben. 

Die Sendung bezeichnet er in seinem Hass-Posting als „einen Kübel abgrundtiefer TV-Scheisse“. 

Jetzt mag man Klausnitzer natürlich einfach nur einen anderen Musikgeschmack oder Realitätsferne unterstellen. Man könnte natürlich auch meinen, dass er aufgrund seiner wirklich überschaubaren Einschaltzahlen im Radio jedes Gehör der Öffentlichkeit sucht. Die Menschen hören wohl lieber Schlager als einen ehemaligen Radiostar, dem es an Bodenhaftung fehlt… Im besten Fall kann man es auf jeden Fall als kurzfristige Verwirrung des Fellner-Moderators sehen. Vielleicht haben sich ja auch ein paar verrückte Pilze in sein Schwammerlgulasch in der „Hagsteinstuben“ verirrt und ihm den guten Geschmack verdorben – davon schwärmte er zumindest noch in seinem Krawall-Posting.

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