Dialekte der MusikweltStadl+

 Von Nackete Maadle & Diggnischl

Nu gugge da! – Das sächsische plätschert weich aus dem Mund

Ganz egal, ob Vogtländisch, Osterländisch, Erzgebirgisch, Meißnerisch oder Lausitzerisch – das alles ist Sächsisch und alles andere als langweilig. Auch wenn heute die Grenzen der sächsischen Dialekte immer mehr miteinander verschwimmen, ihre Ursprungsform bildet das „Meißner Kanzleideutsch“ und das gilt als die Grundform der hochdeutschen Sprache.

Das Sächsische: die Sprache Martin Luthers 

Auf der Beliebtheitsskala der deutschen Dialekte findet sich das Sächsische meist weit unten ein. Dabei war es genau diese Sprache, die einst vorbildliches Deutsch genannt wurde.

Martin Luther übersetzte die Bibel nicht ins Hochdeutsche, sondern ins Sächsische und erhob den Dialekt damit zum Standarddeutsch. Auch Preußen übernahm Wortschatz und Grammatik des Sächsischen, nur sprach es die Worte anders aus.

Geschichte der Sächsischen Mundart

Bereits im Mittelalter war Sachsen eine florierende Region, die Menschen aus allen Ecken des deutschen Sprachgebietes anzog. Jeder brachte seine eigene Sprache mit und so entwickelte sich aus dem babylonischen Sprachengewirr eine einheitliche Verkehrssprache – das Meißner Kanzleideutsch.

Weil sich in Sachsen die Handelsstraßen Europas kreuzten, wurde der sächsische Dialekt fast überall im Heiligen Römischen Reich verstanden. Nachdem die Preußen die Sachsen 1763 im Siebenjährigen Krieg besiegten, orientierte man sich fortan an der preußischen Aussprache.

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Wahrzeichen der Region Vogtland und Bahnverbindung von Leipzig nach Hof: die Göltzschtalbrücke. Am 31. Mai 1846 wurde der Grundstein für dieses Monument gelegt, das gemeinsam mit der Elstertalbrücke zu den weltgrößten Ziegelbogenbrücken zählt

Der Sachse

Das Wesen des Sachsen ist – gleich wie ihre Sprache – alles andere als einfältig. Sachsen sind „helle“, sprich: kreativ.

Das europäische Porzellan, die Inline-Skates, der Wurlizer, die erste Stahlsaitengitarre oder die Kaffee-Filtertüten sind nur einige Dinge, die die Sachsen erfunden haben. Auch das wohl älteste Weihnachtsgebäck der Welt – der Christstollen – kommt aus Sachsen.

Wo der erste Stollen gebacken wurde und wer der Schöpfer von Rezept und Form war, ist nicht verbürgt. Kulturforscher und andere Wissenschaftler sind sich dennoch einig, dass der Ur-Stollen in Sachsen aus dem Ofen gezogen wurde, und zwar um das Jahr 1300.

Die Besonderheiten dieses Dialekts

Der sächsische Dialekt wird gerne imitiert, vor allem von Leuten aus dem Westen. Manche glauben, alle „Ossis“ sprächen Sächsisch. Dabei reden eigentlich alle Deutschen Sächsisch. Sie sprechen es nur falsch aus!

• Wichtigster Buchstabe ist das „O“ –
dabei wird unterschieden: Das „A“
tendiert zum „O“: Arbeit wird zu Orbeit, das „O“ tendiert zum „U“: Ofen wird
zum Oufen.

• Das Sächsische verkürzt stark: Aus
„haben wir“ oder „sind wir“ wird
„hammer“ oder „simmer“.

• Der „ch“- und der „sch“-Laut wird nicht unterschieden.

• Die weichen Konsonanten besiegen die harten. Aus k wird g, aus p wird b, aus t wird d: kaputt wird gabudd – „De Weechn besiechn de Hardn“.

Musikalische Vertreter:

Stefanie Hertel

„Heimat ist für mich nicht nur ein Ort, sondern ein Gefühl. Dort, wo man sich geborgen fühlt, ist man zu Hause“

Geburtsort: Oelsnitz im Vogtland

Lieblingsdialektworte:

„Gehoddlich“, was soviel heißt wie „Gesindel“. Wenn man auf Menschen trifft, die einem nicht besonders in den Kram passen, sagt man zum Beispiel;

„Guck dir ner emol a, was des für e Gehoddlich is.“

Sehr lecker sind „Nackede Maadle“ – was übersetzt „nackte Mädchen“ heißt. Damit meint man ein einfaches Gericht aus gekochten Kartoffeln, die zu einer Art Kartoffelpuffern herausgebacken werden. 

„Vogtland – mei Haamet“

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Markantes Kulturdenkmal: Das Obere Schloss ist das Wahrzeichen der thüringischen Stadt Greiz

„Das Vogtland ist eine traditionsreiche Gegend mit vielen Bräuchen, einer eigenen Mundart, vielen eigenen Liedern und fleißigen Menschen, die viel bewegen“, schwärmt Stefanie im Gespräch mit Redakteurin Anja Sorger über ihren Geburtsort.

Für ihre Heimat hat die beliebte Sängerin und Moderatorin bereits ein ganzes Album geschrieben. „Ich bin mit den vogtländischen Liedern aufgewachsen. Als Kind habe ich gemeinsam mit meinem Vater in der Mundartgruppe ,Oelsnitzer Sperken‘ gesungen. Ich habe diese Lieder geliebt. Leider sind diese ziemlich in Vergessenheit geraten. Ich wollte dem unbedingt entgegenwirken und habe die schönsten in neue Gewänder verpackt.“ Obwohl sie von klein auf auch mit der deutschen Hochsprache aufgewachsen ist, liebt sie ihren Dialekt.

„Im Dialekt klingt alles irgendwie ein bisschen charmanter.“ Der vogtländische Dialekt ist etwas ganz Besonderes. Manches kann auch ganz schön derb sein. Der Vogtländer selbst bezeichnet sich nämlich als „kleines zänkisches Bergvolk“.

Zank gibt es zu Hause hingegen keinen. Seit sieben Jahren ist Stefanie bereits mit ihrem Lanny glücklich verheiratet. Auch wenn Lanny gebürtiger Kärntner ist: Gegenseitige Verständnisschwierigkeiten, wenn im Dialekt gesprochen wird, gibt es absolut keine.

„Bei uns daheim kommen viele Dialekte zusammen. Vogtländisch, Kärntnerisch und Bayerisch, da wir ja im Chiemgau leben, zudem haben wir sogar schon bemerkt, dass es einige vogtländische Dialektwörter gibt, die sich dem Kärntner Dialekt ähneln“, schmunzelt Lanny Lanner. Gemeinsam mit Stefanies Tochter Johanna sind die beiden derzeit mit dem Projekt „More Than Words“ beschäftigt.

„Unsere Familien-Country-Band ist echt toll angelaufen und wir werden im April die nächste Single ,Heaven‘ mit dazugehörigem Video veröffentlichen. Aber auch meine Solokarriere soll weiterlaufen, vor allem natürlich die Moderation. Im Sommer soll es wieder eine ,Musi‘ in Bad Kleinkirchheim geben“, hofft Stefanie. 


WÖRTERBUCH: Sächsisch – Deutsch

Obwohl das Sächsische in seiner Grammatik nach wie vor stark dem Hochdeutschen ähnelt, ist es für viele nicht einfach zu verstehen.

  • ä Rungksen – ein großes Stück Brot
  • ä Schälchn Heeßn – eine Tasse Kaffee
  • Ärbern, Ährborn – Kartoffeln
  • bebbln – Fußball spielen
  • Bemme – Brotscheibe
  • Binunnsen – Geld
  • Drähdr – Schuhe
  • Flieschor – Flugzeug
  • Mauken – Füße, insbesondere Stinkmauken (Stinkfüße)
  • Palaver – Gerede, Geschwätz
  • urschn, urscheln – verschwenderisch mit etwas umgehen
  • Euja! – Na klar!
  • Schnudndeggl – Mund-Nasen-Schutz
  • Diggnischl – Dickkopf
  • Da machd dor eiorn dregg alleene – Dann macht doch euren Dreck alleine!

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CD-TIPP: 

2016 veröffentlichte die Künstlerin ein heimatliches Album mit Raffinesse. „Mei Vogtland – Mei Haamet“ widmet sich der Tradition des vogtländischen Liedguts (TELAMO, produziert von Manu Stix/Tirol).

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