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Vom Dach Österreichs in die WEITE WELT

Bis ein Künstler Kultstatus erreicht, muss er in jeder Hinsicht etwas Außergewöhnliches geleistet haben. So gibt es auch in der Blasmusikunterhaltung Persönlichkeiten oder Musikgruppen, die gewissermaßen heilige Pflicht für alle Hörer dieser Musik sind. In meiner Zeit als junger Musiker war ich auf einer Jungbläserwoche im schönen Kals in Osttirol. Dort wurde unter den Musikern immer wieder voller Respekt der Name Sepp Huter erwähnt. Ich spürte: Das muss ein ganz besonderer Mensch sein, eine Legende – so wie er von den einheimischen Kollegen verehrt wird.

Meine Neugier wurde erst recht geweckt, als ich in Verbindung mit dem Namen Sepp Huter erstmals die „Großglocknerkapelle Kals“ hörte. Genau diese Musik hatte ich schon als Kind gemeinsam mit meinem Vater angehört. Wir liebten zum Beispiel Slavko Avsenik, Ernst Mosch oder die fidelen Inntaler. Er musste ein Star sein, dieser Musiker und Komponist Huter.

Mit einem Kalser Freund durfte ich dann eines Tages diese Persönlichkeit in seinem Haus in Kals am Großglockner besuchen und mit ihm über seine Großglocknerkapelle Kals, seine unzähligen Kompositionen, aber auch über die Blasmusik im Allgemeinen sprechen: Der kleine Seppl machte schon mit sechs, sieben Jahren Bekanntschaft mit der Musik. Erst war es die Mundharmonika, bald kamen Gitarre, Okarina, Querflöte, Klarinette, B-Trompete, Flügelhorn und noch andere Instrumente dazu. Mit 17 Jahren kam er zur Blasmusik. Im selben Jahr 1946 gründete er die Tanzkapelle „Grossglocknerkapelle Kals“. Ab 1947 begann Sepp Huter bereits mit den ersten Kompositionen für große Blasorchester. 1949 wurde er Kapellmeister der Musikkapelle Kals.

Diese Funktion übte er 45 Jahre bis1994 aus. Ausnahmemusiker, die Einzigartiges erreicht haben, zeigen einfach einen außergewöhnlichen Charakter und besitzen ein Charisma, das einzigartig auf Außenstehende wirkt. Man vergisst solche Momente ein ganzes Leben lang nicht mehr. Für mich war es zu diesem Zeitpunkt fast unvorstellbar, dass ich einem Mann im besten Alter gegenüber sitze, der schon über 600 Kompositionen für Blasorchester oder seine Großglocknerkapelle komponiert hat. Was für eine Musiker-Größe, was für eine Legende! Huters unglaubliche Energie, die Ruhe, die er ausstrahlte, und diese Aura, die sich während unseres Gesprächs aufbaute, wirkte magisch auf mich und ließ mich auch nie wieder los.

Nicht nur in der Musik sind solche Erlebnisse – dieses Nacheifern, dieses Aufsaugen von Inspiration – ein wichtiger Aspekt für uns Künstler. Vieles in unserer Szene gäbe es sicherlich nicht, würde es den Kontakt zu diesen herausragenden Persönlichkeiten nicht geben. Mit einer seiner bekanntesten Kompositionen, dem Marsch „Meine Heimat ist Tirol“, landete Sepp Huter sogar einen Hit in der Blasmusikwelt! Kaum eine Musikkapelle, die diesen Kultmarsch nicht gespielt hat.

Neben vielen TV-Auftritten gelang es dem Musikanten aus Kals, mit seinem eigenen Musikstil und seinen Kalsern jahrzehntelang die Festbühnen in ganz Europa erfolgreich zu bespielen. Eine Kultgruppe der Volksmusik in Osttiroler Tracht, getragen von Traditionen und Heimatliebe. Sepp Huter darf völlig zu Recht als ein Vorreiter der unterhaltenden Blasmusik bezeichnet werden und liefert den Beweis, dass man durchaus mit eigenen Kompositionen Erfolge erzielen kann. Vorausgesetzt natürlich, man bleibt sich treu – so wie er. In diesem Sinne: Denkt bitte an unsere Vorbilder, durch deren Genialität unsere Branche weiterlebt. Bleibt am Puls der Zeit! 
Euer Mathias Rauch

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Volkstümliche Klänge aus Kals am Großglockner

1946 gründete Sepp Huter (1929 – 2001) die „Großglocknerkapelle Kals“. Die Formation, zu der kürzlich auch die Gebrüder Wibmer (Söhne der legendären „Kuenz Buam“) dazustießen, begeht in diesem Jahr ihr 75-jähriges Bestehen.
Gefeiert wird es mit einer CD, die am 17. September erscheint. Und einer Musikdokumentation (Melodie TV, 2. September um 20.15 Uhr).

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