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Verdammt ehrliche Worte von Matthias Reim

60 Jahre und ein kleines bisschen weise: Im November feierte der Sänger seinen runden Geburtstag mit einem Unplugged-Konzert in “Clärchens Ballhaus” in Berlin.

 

Matthias Reim („Verdammt, ich lieb´ Dich“) wurde am 26. November 1957 in Korbach/Waldeck geboren. Seine erste Tochter zeugte er mit 16 mit einem älteren Mädchen aus einem Nachbarort. Mit seiner ersten Ehefrau Miriam hat er den spastisch gelähmten Sohn Bastian (* 1987). Aus zweiter Ehe mit der Maskenbildnerin Margot „Mago“ Scheuermeier stammt Sohn Julian (* 1996). Und mit der Schlagersängerin Michelle verbindet ihn Töchterchen Marie-Louise (* 2000). Im Juni 2004 heiratete er die 21 Jahre jüngere Sarah Stanek. Sohn Romeo (* 2004) und Tochter Romy (* 2008). Die Ehe scheiterte. Seit vier Jahren ist Reim mit der 32 Jahre jüngeren Sängerin Christin Stark liiert. Hier ein verdammt ehrliches Interview:

Herr Reim, wie fühlt man sich mit 60?

Matthias Reim: Ich gebe zu, die Zahl stört mich. Denn ich fühle mich nicht wie 60. Ich fühle mich viel jünger, aber dann gucke ich in den Spiegel und sehe meine ganzen Falten. Dann sagt meine Freundin jedoch: Ja, aber die stehen dir! Und dann freue ich mich und sage Danke. Ich habe einen Vorteil vielen 60-Jährigen gegenüber: Ich lebe meinen Traumberuf. Für mich ändert sich in den nächsten zwanzig Jahren gar nichts, ich muss nicht über Rente nachdenken, ich muss über gar nichts nachdenken, außer meine große Liebe, die Musik, fortzuführen.

 

Zwanzig Jahre wollen Sie noch – mit 80 werden wir Reim noch auf der Bühne sehen?

Matthias Reim: Ja, das würde ich gerne. Ich kann nicht aufhören. So wie es auch zum Beispiel Udo Jürgens nicht konnte, der bis zum Ende Musik machte und dann plötzlich starb.

 

Stimmt. Er ging spazieren und war dann plötzlich tot…

Matthias Reim: Ja, das ist doch toll! Und ich werde auch wie Udo so lange ich kann Musik machen. Ich kann mir nicht vorstellen, auf einer Parkbank rumzusitzen. Und ich halte mich fit, ich mache Sport, mir fallen die Haare nicht aus, Stimme geht auch noch wunderbar.

 

Ihr Vorbild ist also Udo Jürgens: Mit 80 Musik machen, dann spazieren gehen, Herzinfarkt und tot umfallen?

Matthias Reim: Kann auch 90 sein. Fände ich super. Einen Herzinfarkt kriege ich nicht, weil ich einfach zu fit bin.

 

Aber Sie rauchen viel, wie ich sehe (er qualmt während des Gesprächs, und vor mir steht ein randvoller Aschenbecher, in dem kleinen Zimmer kann man vor Qualm kaum atmen!)…

Matthias Reim: Ja, aber das lasse ich regelmäßig checken. Meine Arterien sind super, sagte mir gerade wieder der Arzt, als ich dort nervös nachfragte. Also, ich habe da Glück.

 

Aber Sie hatten doch gerade ein großes Problem mit Ihrem Herzen…

Matthias Reim: Ja, aber es war kein Herzinfarkt wegen Arterienverengung. Das war eine Herzmuskelentzündung. Das war höchst unangenehm, hat aber mit dem anderen nichts zu tun. Man muss nur mit viel Sport dafür sorgen, dass es nicht wieder passiert, man muss auch trainieren, was da kaputtgegangen ist, dann kann ich aber damit noch dreißig Jahre wunderbar leben.

 

Hat Sie das verändert, Sie sagten, Sie seien dem Tod von der Schippe gesprungen…

Matthias Reim: Ja, das stimmt. Schlimm ist, dass keiner etwas gefunden hat, es kam ja so schleichend, das war ja wahrscheinlich schon länger in meinem Körper, und das war blöd. Ich musste zu vielen Ärzten gehen, und keiner fand etwas, keiner wusste lange Zeit, warum ich immer schlapper wurde. Und jetzt wissen wir es und ich kann dementsprechend dagegen arbeiten, weiß, wie ich das Herz mit Sport schützen kann, und das ist gut.

 

Bleibt dennoch die Angst, dass Ihnen so etwas noch mal passiert?

Matthias Reim: Ja. Ich denke schon manchmal darüber nach, denn vorher war ich Mr. Unverwundbar. Ich habe nie gedacht, dass mir etwas passieren könnte. Und dann so etwas! Seitdem habe ich eine Grundangst, die immer da ist. Ich hoffe, dass die irgendwann wieder weggeht. Das ist wohl normal in den ersten Jahren nach so einem Vorfall, vor allem bei Männern, die Alpha-Männer sind. Es ist etwas zerbrochen in mir, das Gefühl, ich kann alles. Und wenn ich jetzt mal einen grippalen Infekt oder so habe, dann geht in mir sofort die Alarmglocke an: Ich denke, das ist was Schlimmes! Mein Kardiologe lacht schon immer, wenn ich komme.

 

Sie sind jetzt also ein Hypochonder?

Matthias Reim: Ja, ein wenig. Aber mich beruhigt dann seine Aussage, dass alles gut ist. Dann geht auch das andere wieder weg, lustigerweise. Ich bin also ein bisschen psycho! Ich bin auch nicht mehr gerne alleine, seit der Herzsache. Als es damals passierte, stand ich nämlich allein am Flughafen, und dann ging plötzlich nichts mehr. Ich konnte mit keinem sprechen, das war schrecklich.

Haben Sie auch Ihr Testament gemacht?

Matthias Reim: Ein paar Menschen habe ich abgesichert mit einem handschriftlichen Dokument. So dass, falls mir etwas passiert, die dann nicht völlig am Arsch sind.

Sie meinen Ihre Kinder?

Matthias Reim: Ja, richtig. Die Kinder. Auch die kindererziehenden Mütter habe ich alle abgesichert. Das musst du machen. Das ist einfach die Verantwortung, die man hat. Nehmen wir an, ich wäre an der Sache tatsächlich gestorben und ich hätte nichts Schriftliches zuvor vorbereitet gehabt, wäre das echt blöd gewesen für die. Ich meine, bei sechs Kindern! Die stürzen sich dann alle aufs Pflichterbe.

Dann gibt es womöglich einen Erbkrieg wie bei Udo Jürgens…

Matthias Reim: Naja, bei ihm hat es sich ja auch gelohnt. Bei mir lohnt sich das noch nicht so. Wenn man das Geld durch sechs teilt und dann kommt noch die Steuer, das ist nicht wirklich interessant, was da übrig bleibt.

Sie meinen, da kann es keinen Streit geben bei der Summe?

Matthias Reim: Genau, da kann es keinen Streit geben. Ich baue mein Vermögen ja jetzt erst wieder auf, ich hatte alles verloren. Ich habe also keine Millionen mehr, ich hoffe aber, dass ich das irgendwann wieder hinkriege. Aber mir geht es gut, ich habe einen tollen Beruf, ich mache den leidenschaftlich gerne. Ich hatte mir jetzt ein Sabbatjahr genommen, in dem ich einfach mal nur Songs geschrieben habe, abgesehen von ein paar Konzerten. Das sind die besten Songs, die ich seit 30 Jahren geschrieben habe. Weil ich einfach mal Ruhe dafür hatte. Ich wollte mich weiterentwickeln, wollte aber auch zurück zu dem ganz alten Matthias Reim. Und diesen Kreis wollte ich schließen, davor habe ich mich immer gefürchtet, weil ich immer Angst hatte, ich wiederhole mich. Ich habe diesmal mit vielen tollen Autoren zusammengearbeitet, das Album wird super, es sind Hammer-Songs. (Sein Sohn Julian ruft an.)

 

Apropos Sohn: Können Sie sich noch ein Kind vorstellen mit Ihrer Freundin?

Matthias Reim: Ich habe dazu ein gespaltenes Verhältnis. Ich habe eigentlich genug Kinder. Aber wir sind jetzt seit vier Jahren zusammen, sollten wir zusammenbleiben, wonach es aussieht, hätte ich wohl nicht das Recht, ihr zu nehmen, das Muttersein zu erleben. Da grübele ich noch.

 

Doch noch ein Kind? Der Sänger mit Lebensgefährtin Christin Stark

 

Will Christin denn überhaupt ein Kind?

Matthias Reim: Früher wollte sie nie. Jetzt ist sie 28, und nun kommt schon manchmal das Thema, wenn wir bei Kerzenlicht zusammensitzen und ein Bierchen trinken. Sie sagt dann: „Wenn du mal dran bist, dann habe ich gar nichts von dir! Alle haben irgendwelche Kinder von dir und ich hätte gar nichts. Ich könnte nie mehr in deine Augen gucken.“ Also, das trifft mich dann ins Herz, was soll ich sagen? Ich kann ein weiteres Kind nicht ausschließen. Das wäre ihr gegenüber unfair. Aber wir haben ja noch ein bisschen Zeit, sie ist ja erst 28.

 

30 ist die magische Zahl, da wollen die meisten Frauen Kinder…

Matthias Reim: Ja, ich weiß!

 

Wollen Sie auch heiraten?

Matthias Reim: Darüber haben wir nicht nachgedacht. Ich bin jetzt gerade mal geschieden. Hochzeit ist kein Tabu, wenn man lange zusammen ist, dann ist das auch eine Verantwortung, die man übernimmt. Eine Freundin hat nichts zu melden, wenn mal irgendwas ist, wenn ich mal im Krankenhaus liege oder sterbe. Das hat sie auch nicht verdient. Also es gibt vieles, über das wir nachdenken. Es ist schwierig, denn ich weiß auch, wenn eine Ehe in die Brüche geht, dann ist das immer blöd und teuer. Wobei ich das immer ganz gut hinbekomme.

60 ist eine Zahl, bei der man mal zurückblickt – was bereuen Sie, was war wirklich Mist, und was war super toll?

Matthias Reim: Dass ich damals pleite ging und der Weg da raus, das war wirklich scheiße. So was braucht kein Mensch. Das war echt hart und würde mir heute auch nicht mehr passieren. Man lernt also. Der Zustand, in dem ich jetzt lebe: ich habe ein schönes Haus, ich habe ein schönes Auto, ich habe ein Boot auf dem See, ich habe einen Traumberuf und ich bin erfolgreich. Manchmal denke ich: Mann, was war ich doch für ein Blödmann! Und: Wie konnte ich nur! Aber dann schüttele ich mich und sage mir, das hat mich aber auch ausgemacht. Wenn mir das nicht passiert wäre, dann wäre alles anders gekommen. Ich meine, das Ganze hat auch mir und meinem Charisma geholfen, ich habe die Erfahrung in die Musik gepackt: Mir glauben die Menschen, wenn ich über Elend singe. Und ich habe mich rausgewühlt, das lieben die Leute auch an mir.

 

Was war das Tollste in den 60 Jahren?

Matthias Reim: Der Hammer war, als „Verdammt ich lieb dich“ so abging. Das war unfassbar. Das war eine Traumerfüllung. Aber noch glücklicher bin ich, wie die letzten Jahre laufen. Dieser stabile Erfolg mit den Platten und allem Gold und Platin – das macht mich am Glücklichsten. Und der Respekt, den ich inzwischen bei den Menschen habe, die mir begegnen. Die sagen nicht mehr: Ach, das ist der „Verdammt ich lieb dich“-Sänger. Sondern die gehen mit einem Lächeln aus meinen Konzerten und sagen, wow, ist der gut. Und darauf bin ich stolz.

 

Was wünschen Sie sich?

Matthias Reim: Dass es noch 25 Jahre so weitergeht wie jetzt. Dann bin ich 85. Da kann ich mich dann doch mal auf eine Bank am See setzen.

 

Was soll mal auf Ihrem Grabstein stehen?

Matthias Reim: „Verdammt, hier liegt er!“

Interview: Maike Schuster

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