Stadl+Vinyl skurril

 Vader Abraham … und eine ganz spezielle Sorge

1996 sorgte der sonst so fromm daherkommende Vader Abraham mit seiner „Ode an die Slipeinlage“ für einen handfesten Skandal. Es kam sogar zu einem Boykott des Titels.

Eigentlich gilt Petrus Antonius Laurentius „Pierre“ Kartner alias Vader Abraham als Inbegriff der Frömmigkeit. Allein schon, weil sein Künstlername Vader Abraham nicht nur der biblischen Figur Abraham nachempfunden wurde, sondern weil er sich als Vader Abraham auch ebenso verkleidet.

Dabei hat es „Pierre“ Kartner seit jeher faustdick hinter den Ohren! Bereits 1969 veröffentlichte er unter dem Pseudonym „Lord Wanhoop“ eine seiner erstes Singles „Bij Lili Marleen kijk je zomaar door haar kanten bloesje heen“ („Bei Lili Marleen schaut man einfach durch ihre Spitzenbluse hindurch“). Auch die B-Seite „Mag ik jou Adam een keertje zijn („Darf ich einmal dein Adam sein?“) war nicht von schlechten Eltern. Einen viel, viel größeren „Skandal“ entfachte jedoch seine 1996 veröffentliche Single-CD „Wenn die Slipeinlage nur gut sitzt“ (B-Seite: „Hurra, es lebe die Slipeinlage“).

Vader Abraham: Wenn die Slipeinlage nur gut sitzt

Ein TV-Auftritt Vader Abrahams in der Talkshow von Margarete Schreinemakers wurde um ein Haar von der Frauenbewegung verhindert, die zu einem Boykott aufrief. „Wenn die Slipeinlage nur gut sitzt / musst du nie mehr ängstlich sein / Wenn deine Slipeinlage nur gut sitzt / Das gibt Sicherheit für groß und klein. Es geht dir gut, kannst dich bewegen / Du fühlst immer Sauberkeit. Wenn die Slipeinlage nur gut sitzt / Macht sie dich unendlich frei.“ – „Schauen Sie sich doch nur mal an, was aus dem lustigen Vader Altenheim geworden ist. Steht da wie Pan Tau mit Mundfäule und mümmelt melancholische Menstruationsmelodien“, wetterte Oliver Kalkofe („Kalkofes Mattscheibe“). Vereinzelt gab’s Zustimmung in der Presse („Tatsächlich ist das Stück in Form und Inhalt ein beachtliches Sittengemälde einer Gesellschaft, die Sauberkeit und Planbarkeit zu ihren Götzen erhoben hat“).

Vader Abraham: Hurra, es lebe die Slipeinlage

Vader Abraham fühlte sich gänzlich missverstanden: Seine Frau und er „seien von der permanenten Slipeinlagen-Werbung für Dutzende von verschiedenen Marken regelrecht genervt“ gewesen, wie dem „taz Archiv“ zu entnehmen ist…