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 Sassy von “Die Seer”: Starke Frau mit starker Stimme

STADLPOST-Reporterin Lisi Rath traf die Sängerin in Gmunden.

Sie ließ sich nie unterkriegen. Obwohl es in ihrem Leben viel Leid gab, ist sie daran nicht zerbrochen. Porträt einer außergewöhnlichen Künstlerin

Bekannt ist Sassy als „die Stimme“ der österreichischen Kultformation „Die SEER“. STADLPOST traf die Künstlerin im wunderschönen Ambiente von Schloss Orth in ihrer Heimat Gmunden. Die Sängerin, die mit bürgerlichem Namen Sabine Holzinger heißt, und die SEER hatten keinen leichten Start. Die ersten Konzerte fanden damals auf der Ladefläche eines Lkw oder während eines Almabtriebs auf einem Garagendach statt. „Aber solche Situationen bringen Erfahrung. Aufgeben war eh nie unser Ding. Wir haben oft mit dem Mut der Verzweiflung für unsere Musik gekämpft“, so die Künstlerin. Als alleinerziehende Mutter ihres heute 19-jährigen Sohnes Andreas hatte es Sassy auch privat nicht immer einfach.

Die SEER Analog Mit Blumenherz Kevin Geissler
2021 feiern sie Jubiläum! 1996 gründete Fred Jaklitsch (4. v. r.) die Band: Die SEER kommen aus Grundlsee im steirischen Teil des Salzkammerguts

Sie lebte lange mit Eltern und Großeltern in einem Drei-Generationen-Haushalt zusammen. Da hat die ganz Familie zusammengehalten. Ohne Familie hätte Sassy ihren musikalischen Weg nicht beschreiten können. Ihr Sohn hatte immer Oma und Opa um sich und wuchs mit viel Liebe in der Geborgenheit der Familie auf. Das sie jetzt etwas davon zurückgeben kann macht Sassy stark und ist ihr Reichtum.

Für Sassy als Herzensmensch, war in der jetzigen schweren Zeit für sie die größte Strafe und das Schlimmste, das man Menschen, die man gernhat, nicht umarmen konnte. Das erste Familientreffen nach dem Lockdown war eine Seligkeit. Es ist in der heutigen Zeit nichts mehr selbstverständlich. Und es sollte jeder darüber nachdenken, wie wichtig die Grundwerte sind und wieviel sie bedeuten. Nähe und Distanz, Respekt und Umarmung gekommen eine eigene Wertigkeit.

Platin für das Album “SEER Live” 10 Jahre SEER Open Air am Grundlsee

Bei den SEER sind bereits die Texte eine Umarmung. Natürlich werden das Fotografieren und Autogrammschreiben vermisst. Es braucht ein Umdenken, weil wir mit Covid 19 auch bei den Veranstaltungen in nächster Zeit leben müssen. Der Konsument, aber auch die Künstler auf der Bühne haben Verantwortung. Und das funktioniert nur mit Eigenverantwortung. Und Musik zu konsumieren bekommt eine eigene Wertigkeit. Trotzdem wäre es wichtig, dass ab und zu Veranstaltungen stattfinden können, weil es den Menschen Energie und Kraft gibt. Wichtig wäre, dass für Veranstaltungen die verschiedenen Bereiche zusammenhalten, gute Konzepte ausarbeiten und nicht gleich absagen.

Gmunden mit Schloß Orth – Sassy lebt hier in der Nähe mit ihrer Familie in einem Mehr- Generationen Haus

Wenn man Sassy, die eine ungeheure Anziehungskraft und Ausstrahlung auf die Menschen hat, fragt, woher sie die Gabe dafür nimmt, gibt sie zur Antwort: Herzenswärme – das kann man sich nicht erarbeiten, das ist man einfach. Das ist die Herzensbildung, die ich von Kindheit an durch meine Eltern und durch meine Oma erfahren habe. Und schon damals war für mich klar, dass die großen Dinge im Kleinen stattfinden. Und wenn man das lebt, macht einen das aus.

„Du gehst mir durch und durch in die Fingerspitzen. Gehst mir durch und durch in jede Zelln. Du gehst mir durch und durch“: Die SEER-Ballade „1 Tag“ mit dem sehr emotionalen Text ist für Sassy ein besonders wichtiger Titel. Er behandelt das Thema des Abschieds. „Man weiß nie, wann der Tag kommt. Ich habe mit meiner Oma und einem engen Musikerfreund, der letztes Jahr verstorben ist, diese sehr intensive Zeit erlebt und sie beide in ihren letzten Wochen begleitet“, erzählt uns Sassy.

Sie wollte eigentlich in einer Tagesheimstätte arbeiten. Doch als ihre Großmutter Theresia damals schwer erkrankte, zog Sassy zurück zu ihrer Oma nach Ebensee und pflegte sie bis zu deren Tod. Sie weiß: „Niemand kann wissen, wann es Zeit ist zu gehen. Ich habe bereits als junger Mensch gemerkt, was mir das gibt, und das es wichtig ist, schon als junger Mensch in die richtige Bahn zu kommen. Ich bin so dankbar für die Erfahrung, die ich bei alten und pflegebedürftigen Menschen gewinnen durfte und etwas für sie tun zu dürfen. Man bekommt einen ganz anderen Blick für Leben und Sterben. Mir war bereits damals bewusst, dass dies zusammengehört. Diese Erfahrung ist gerade für junge Menschen sehr wichtig. Ich habe sehr viel gelernt in dieser Zeit, das nimmt man in sein weiteres Leben mit. Ich glaube, schönere Basisbausteinchen für Deine Herzensbildung, Deinen Charakter, Dein Denken und Dein Fühlen, kann man als junger Mensch nicht mitbekommen.“

Sassy hat sich heuer vorgenommen, ihren Adventkalender mit guten Taten zu füllen. Das heißt, sie möchte mit ihrer Gitarre in Altersheime gehen und für die alten Menschen singen.

Oma 1 Sassy Privat

Unbeschwerte Sommer in Ebensee (mit Opa Erich und Hund Cora): Sassy hatte eine sehr enge Bindung zu ihren Großeltern, besonders zu Oma Theresia. Noch heute fällt es ihr schwer, den Seer-Song OMA bei Konzerten zu singen

Jeder Tag, den man leben darf, ist ein besonderer. Man sollte bewusst leben und nahestehenden Menschen sagen, dass man sie mag. Dinge tun, die einem wichtig sind und Dinge lassen, die Zeit rauben. Es ist für mich erfüllend, wenn ich viel für andere tun kann. Aber ich habe auch gelernt, mich nicht zu vergessen. Ich habe viel Spaß in meinem Leben.“
Spaß macht ihr bis heute vor allem auch die Country-Musik. Denn damit begann ihre Musikkarriere, bis sie zu SEER kam. „Diese Band wurde meine Bestimmung, doch Country-Musik ist noch immer ein wichtiger Teil meines Lebens“, sagt Sassy.

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Sassy gemeinsam mit unserer Stadlpost-Reporterin Lisi Rath

Für eine Reise nach Nashville/USA mit der österreichischen Country-Band Nashville wurde die SEER-Ballade „Sche wars wenns do warst“ ins Englische übersetzt und dort in einem der angesagtesten Clubs präsentiert. Das Publikum tobte vor Begeisterung!

(c) Wolfgang Spitzbart
Im Zuge der SEER – Duette CD sang Sassy mit Weltstar Umberto Tozzi das Duett zu “1 Tag”

Im Zuge der SEER-Duette-CD erfüllte sich noch ein Herzenswunsch von Italien-Fan Sassy. „Alle kennen den Kultsong ,Gente di mare‘ von Umberto Tozzi – und plötzlich stand ich mit diesem Weltstar auf der Brücke vor Schloss Orth und sang mit ihm eine SEER-Ballade auf Italienisch! Das hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht zu denken gewagt, dass mir so etwas in meinem Leben geschenkt wird. Mit so einem Weltstar zu singen, und dann auf italienisch. Wenn ich Umberto Tozzi heute im Radio höre, denke ich mir, mit ihm habe ich schon gesungen. Ein großer Ritterschlag für Fred Jaklitsch und die SEER, wo Mundart – Musik in eine andere Dimension gehoben wird. Und wenn man den Mundart Titel auf Englisch oder Italienisch hören würde, wäre das vielleicht ein Welthit. Umberto Tozzi ist auch ein Herzens- und Familienmensch.

Wenn du so einem außergewöhnlichem Menschen begegnest und mit ihm die gleichen Werte teilst, dann triffst du dich menschlich und künstlerisch auf Augenhöhe. Ich bin sehr dankbar und stolz, dass ich das erleben durfte.“

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Sassy wuchs in Altmünster auf. Ihre Mutter Ursula ist bis heute ein wichtiger Lebensmensch. Nicht nur wegen ihrer köstlichen Krautfleckerl: “Die kann niemand besser als meine Mama!”

Sassy Erster Auftritt Country Privat
Mit zitternden Knien, aber happy: Sassy bei ihrem ersten Country-Auftritt vor Publikum

Wir haben gerade eine schwere Zeit, aber wir leben im Luxus und mitten in einer Wahnsinns Natur mit Seen, Bergen und Wald, wir haben Strom und Wasser, ein schönes Zuhause, wir haben zum Essen und zum Trinken. Das ist schon sehr viel und das sollte man wertschätzen. Und das eine oder andere, was uns nicht behagt, mit einer Portion Humor nehmen.

Ich habe das Glück, als Vokalcoach unterrichten zu dürfen. Das habe ich jetzt verstärkt. Sehr viele hätten die Möglichkeit, etwas anderes zu machen. Man kann nicht nur zu Hause sitzen und warten, bis es besser wird. Jeder muss für sich schauen, dass das Leben lebenswert ist. Man sollte sein Leben bunt gestalten. Und ich habe immer einen extremen Kampfgeist entwickelt, war immer sehr lösungsorientiert und wenn es erforderlich war, habe ich zusätzlich gejobbt. Ich wollte es schaffen und habe es geschafft. Und ich hatte immer Spaß an der Sache. Es ist wichtig, dass man an sich glaubt, dass man an seinen Weg glaubt und nicht gleich aufgibt. Und ich wünsche jedem, so eine tolle Familie, wie ich sie hatte, tolle Freunde, ein tolles Umfeld – dann kann nichts schief gehen.

Im Kleinen das Glück finden bedeutet für Sassy: „Diese „Amol mach ich das – Dinge“ habe ich alle gemacht und eingelöst. Das waren alles Glücksmomente, wo ich mir dachte: DANKE – DANKE – DANKE. Für Jemanden da sein und ihm zuhören können – das ist für mich Glück“

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