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 SaŠo Avsenik: “Er war immer mein großes Vorbild”

Er erinnert sich an seinen geliebten Großvater Slavko!

Wenn ich heute zurückblicke, war die Beziehung zu meinem Großvater Slavko Avsenik immer etwas ganz Besonderes. Für mich war er ein wunderbarer Opa, ein sehr fröhlicher und charismatischer Mann, mit dem ich schon als ganz kleines Kind gerne meine Zeit verbracht habe. Ein Gefühl dafür, dass er ein „Star“ ist, habe ich erst später bekommen. Für mich ist er ein Star, weil er trotz seines großen Erfolges immer bescheiden geblieben ist.

Meine Familie lebt schon immer in Begunje in Slowenien, einem kleinen Dorf am Fuße der Karawanken, im ursprünglichen Elternhaus meines Großvaters. Opa und Oma Brigitta hatten ihr Zuhause in der Hauptstadt Ljubljana, waren aber jeden Tag zu Gast bei uns in Begunje, wo Oma ja auch bis ins hohe Alter die Galerie, das Museum und die Musikschule Avsenik leitete.

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Slavko liebte die tägliche, einstündige Autofahrt. In Begunje hatte er sein eigenes Wohnzimmer, mit einer Couch und einem Fernseher an der Wand. Da haben wir oft zusammen Serien und Tierfilme geschaut – meist in deutscher oder englischer Sprache. Er legte großen Wert darauf, dass ich die Sprachen lernte und er selbst interessierte sich auch sehr dafür. „Peter Steiners Theaterstadl“ oder Tierfilme mochten wir am liebsten! Und dann hat er Geschichten erzählt. Geschichten über die Erlebnisse, wenn er auf Tournee im Ausland war, oder aus seiner Zeit als Profisportler im Nationalkader der Skispringer. Über so manche seiner Anekdoten, die er von den Jägern aus dem Dorf zu erzählen wusste, oder über seine Freunde von der Feuerwehr in Begunje muss ich heute noch schmunzeln. Er war ein großartiger Geschichten­erzähler!

Sein Wohnzimmer war gleichzeitig der Raum, wohin er sich täglich zum Akkordeonüben zurückzog. Oftmals, wenn die Tür einen Spalt offen stand, hab ich ihn heimlich dabei belauscht. Seine Musik hat mich schon als kleinen Jungen irgendwie gefesselt.

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Überhaupt spielte Musik in unserer Familie schon immer eine große Rolle: Meine vier jüngeren Geschwister, meine Eltern Gregor & Katharina, Onkel Vilko, Onkels, Tanten – alle waren oder sind irgendwie mit Musik verbunden. Dass es bei mir wie bei Großvater auf das Akkordeon als Ins­trument hinausgelaufen ist, hat ursprünglich meine Großmutter Brigitta eingefädelt. Die Musikschule, die Etüden und Stücke, die ich dort spielen sollte, haben mich nachträglich betrachtet wenig begeistert, wenngleich mir das Akkordeonspiel an sich eine Riesenfreude machte. Aber eben nur in Verbindung mit der Musik von Slavko Avsenik.

Wir haben viel über seine Musik geredet und mein Interesse daran wurde mit den Jahren immer größer. Inzwischen weiß ich, welches unglaubliche Glück ich hatte, meinen Großvater alles dazu fragen zu können: Wie spielt man das? Wie bereitet man einen Auftritt vor? Warum habe ich Lampenfieber? Es gab keine Frage, auf die er nicht einen guten Rat für mich hatte, der mich in meiner eigenen Karriere weitergebracht hat.

Als ich klein war, stand Opa selbst noch aktiv auf der Bühne. Ich bin 1991 geboren, da gab es die Originalbesetzung nicht mehr, er trat damals mit den Jungen Orig. Oberkrainern und meinem Vater gemeinsam auf. Für uns Kinder war es immer total aufregend, wenn er im TV zu sehen war. Ich erinnere mich noch, wie nervös wir waren, als wir einmal mit unserer Mutter zu Hause vorm Fernseher auf seinen Auftritt beim Musikantenstadl gewartet haben, wo er mit meinem Vater gemeinsam auftreten sollte. Es war ein sehr merkwürdiges Gefühl, dass Opa alle diese berühmten Leute aus dem Fernsehen persönlich kannte. Aber noch viel merkwürdiger war es für mich als Kind, dass alle Leute, die nach Begunje zum Gasthaus Avsenik kamen, meinen Opa kannten – ganz egal, aus welchem Land der Welt sie auch stammten.

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Mein Großvater war ein unglaublich toleranter, offener Mensch. Dass ich neben dem Akkordeon auch Schlagzeug spiele, war überhaupt kein Problem für ihn. Mein Vater Gregor hat sich öfter mit Opa über meine Gruppe unterhalten und hatte auch die Idee, dass Opa und sein älterer Bruder Vilko Ovsenik doch neue Titel für uns schreiben könnten. Sie ließen sich nicht zweimal bitten. Als ich im November 2009 dann aus Passau zurückkam, wo ich im Musikantenstadl mit meiner Gruppe TV-Premiere feiern durfte, war er, glaube ich, richtig stolz.

Opa hat nie erwartet, dass ich sein musikalisches Erbe antrete. Er hat nie Druck auf mich ausgeübt oder mich dazu überreden wollen. Im Frühjahr 2015 ist er schwächer geworden und am 2. Juli in seinem 86. Lebensjahr nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben.

Wenn ich heute die funkelnden Augen seiner Fans sehe, die zu unseren Konzerten kommen oder uns im Veranstaltungszentrum Avsenik in Begunje besuchen, ist das der schönste Beweis dafür, dass er mit seiner Musik etwas Einzigartiges geschaffen hat. In unseren gemeinsamen 24 Jahren haben wir wunderschöne Ausflüge erlebt, Sommer- und Winterferien zusammen verbracht und Feiertage zusammen gefeiert. Für mich ist er immer ein Vorbild und der Beweis, dass man trotz Berühmtheit mit der Liebe einer starken Familie im Rücken, mit ehrlicher Arbeit und Fleiß und ohne Drogen und Skandale unglaublich viel erreichen kann. 

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