Stadl+STAR Interviews

 Patrizius: Seinen Millionenhit verdankt er einem Ski-Haserl

Seit 1984 nennt sich der Regensburger „Patrizius“.

Patrizius heißt mit bürgerlichem Namen Walter Leykauf. Nach den Nilsen-Brothers schloss er sich der Gruppe „Viel-Harmoniker“ an. Der Musiker erhielt im Lauf seiner Karriere mehrere Goldene Schallplatten

Stadlpost: Lieber Patrizius, 2022 wirst du 80 Jahre alt. Aufzuhören ist für dich aber keine Option, oder?

Patrizius: Allerdings nicht. Aus zwei Gründen. Zum einen bekomme ich leider ganz wenig Rente, weil ein Ex-Kollege von mir meine Rentenbeiträge damals lieber in die eigene Tasche gesteckt hat, anstatt sie für uns einzuzahlen.

Stadlpost: Und zum anderen?

Patrizius: Weil nichts schöner ist, als Musik zu machen! Wie oft werde ich erkannt und angesprochen und rein zufällig habe ich immer eine Gitarre im Auto (lacht). Als es mit dem Lockdown so richtig losging, wollte ich für meine geliebte Renate vom Italiener ihr Lieblingsgericht holen. Alle in der Schlange standen mit Abstand, bis einer mich erkannte. Und es nicht lange dauerte, bis die ganze lange Schlange mit mir gemeinsam „Tom Dooley“ sang. Da schlägt ein Musikerherz sofort höher!

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Im Jahr 2008 nahm der Musiker in München am Vorentscheid zum „Grand Prix der Volksmusik“ teil – begleitet von der Ronny Nash Band

Stadlpost: Wie kam es eigentlich damals zu dem Namen „Nilsen-Brothers“?

Patrizius: Pepe Ederer, Gerd Gudera und ich musizierten als „Die drei Troubadores“, als wir von Nils Nobach entdeckt wurden, der Stars wie Fred Bertelmann, Conny Froboess, Paul Kuhn oder auch Eddie Constantine berühmt machte. Damals schrieb Nils gerade die ersten Hits für Rex Gildo und Gitte. Er sagte, mit euch mache ich einen Western-Hit. Aber den Namen wollte er ändern. Und weil ihm grad nichts Originelleres einfiel, stand sein Vorname Pate und wir wurden die Nilsen-Brothers.

Stadlpost: Euer erster Song „Tom Dooley“ wurde ja ein Riesenhit. Der Titel „Aber dich gibt’s nur einmal für mich!“ wurde jedoch mit über 25 Millionen Verkäufen euer Markenzeichen …

Patrizius: Wir gastierten damals in der Schweiz. An einem Abend lernte ich ein Ski-Haserl kennen und wir verabredeten uns zu einem Spaziergang. Damals fiel man ja noch nicht mit der Tür ins Haus. Ich liebte es sehr, romantische Sympathieerklärungen zu machen und sagte im Überschwang der Gefühle beim Blick auf Genf zu ihr: „Schau, Spatzerl, es gibt Millionen von Sternen und diese Stadt hat ganz viele Laternen und auch Gut und Geld gibt es viel auf der Welt. Aber dich gibt’s nur einmal für mich.“ Kaum hatte ich das zu ihr gesagt, spürte ich die Magie dieser Worte, beendete das Rendezvous und lief ins Hotel, um diese Worte sofort zu Papier zu bringen. Das Ski-Haserl habe ich nie wieder getroffen, das Lied aber wurde der Hit meines Lebens (lacht).

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Im vergangenen Jahr feierten Patrizius und seine Renate Goldene Hochzeit. Renate war früher eine erfolgreiche Eiskunstläuferin

Stadlpost: Wo Licht ist, ist auch Schatten: Wann hast du gemerkt, dass einer von den Nilsen-Brothers falsch spielt?

Patrizius: Wir trugen bei Auftritten immer identische Jacketts. Und eines Tages zog ich aus Versehen die Jacke des anderen an, in deren Innentasche ich dann den Vertrag fand. Angeblich spielten wir dort mehrere Konzerte für 6000 Mark Gage. Das war viel Geld für diese Zeit. Auf dem Vertrag aber standen
12.000 Mark! Eine Überprüfung ergab, dass er das regelmäßig so machte und dass er auch die Rentenbeiträge für unsere Film-Mitwirkungen einfach nicht einzahlte. So endete die Ära Nilsen-Brothers und eine Freundschaft, die keine war. Das tat damals sehr weh!

Stadlpost: Wann wurde eigentlich aus Patrick Nilsen Patrizius?

Patrizius: Damals startete die volkstümliche Schlagermusik ihren Siegeszug und ich schrieb Musiktitel für Vico Torriani oder für die Kastelruther Spatzen. Aber ich wollte auch selbst beim Grand Prix der Volksmusik als Sänger antreten und da sagte Vico zu mir: „Patrick Nilsen passt nicht. In Irland feiern sie jedes Jahr den St. Patricks Day zu Ehren des heiligen Patrizius. Das klingt doch gut.“ Und von der Stunde an war ich – vielen Dank noch mal, lieber Vico Torriani – Patrizius!

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Top-Trio Europas! 1963 erschien beim kleinen Plattenlabel
„Populär 30001“ die
Vinyl-Single der Nilsen- Brothers „Aber dich gibt’s nur einmal für mich!“. Auf der B-Seite der Song „Weißt du, warum?“

Stadlpost: Du warst auch TV-Moderator bei „Nachbarn kommt rüber“?

Patrizius: Oh ja, das habe ich geliebt. Unter uns, Karl Moik hörte das immer nicht so gern, aber mit unserer letzten Folge konnten wir tatsächlich höhere Quoten verbuchen als er mit seinem „Musikantenstadl“ damals. Doch wie es leider manchmal so ist, wenn in Chefetagen neue Besen zum Einsatz kommen, wird oft auch Beliebtes rigoros weggekehrt.

Stadlpost: Du bist seit 50 Jahren glücklich mit deiner Frau Renate …

Patrizius: Ja, am 3. Oktober 2020 feierten wir unsere Goldene Hochzeit. Was heißt „feierten“ – 2020 war ja ein verrücktes Jahr. Egal, das Fest wird nachgeholt. Zumindest habe ich meiner Renate „Aber dich gibt’s nur einmal für mich“ gesungen. Das habe ich mir nicht nehmen lassen. Wir kämpfen jetzt gemeinsam gegen Schwindelanfälle und Schmerzen. Aber wenn man sich liebt, wird alles gut … (kleine Pause). Ohhh, warte mal, da habe ich doch glatt schon wieder eine Idee für ein Lied im Kopf. Das bring ich zum Klingen, und ihr von der STADLPOST seid dann die Ersten, die es hören dürfen! 

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