TOP AKTUELLStarG'SCHICHTSchlager

Marmor, Stein und Eisen bricht: Drafi Deutscher wäre heute 72 geworden

Auch nach seinem Tode bleibt der Sänger mit dem Hut unvergessen

„Marmor, Stein und Eisen bricht“ – Der Titel, der keinen stillsitzen lässt. Drafi Deutscher schaffte es mit diesem Hit schon früh, sich einen fixen Platz im Schlagerolymp zu sichern. Heute hätte er seinen 72. Geburtstag.

Mit 11 Jahren wurde der Musiker bereits bei einem Talentwettbewerb entdeckt und belegte dabei mit dem Titel Tutti Frutti seines Idols Little Richard den ersten Platz – worauf er seine ersten kleinen Fernsehrollen bekam. Mit 12 lernte er mithilfe seines Jugendfreundes Jörg Tilwitz das Gitarrenspielen. Mit 14 stand er bereits auf der Bühne. „Ich bin in Berliner Kneipen aufgetreten. Wenn die Polizei kam, versteckte ich mich mit meiner Gitarre unter dem Tresen des Lokals. Ich war gewalttätig und hatte vor nichts Respekt, außer vor meiner Oma Elise, die mich bekochte“, erzählte der rebellische Sänger.

Mit 17 konnte er erstmals von seiner Musik leben – er erhielt 30 DM Gage pro Auftritt, was für damalige Verhältnisse viel Geld war. 1963 unterschrieb er einen Plattenvertrag und sang seinen ersten Song von Heino Gaze: „Shake Hands“. Er war zeitgleich auf der Suche nach einer Begleitband und wurde bei vier musizierenden Studenten namens “Magic” fündig.

Sie gingen gemeinsam auf Tournee und landeten 1965 mit dem Mega-Hit „Marmor, Stein und Eisen bricht“ auf Platz 1 der deutschen Verkaufscharts. Der Song wurde zum „Evergreen“ (Anmerkung: beliebtes Musikstück, dessen Veröffentlichung mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte zurückliegt und das dennoch von den Medien häufig gespielt wird) und entwickelte sich zu Deutschers größtem Erfolg. Die 1966 veröffentlichte englischsprachige Version Marble Breaks and Iron Bends konnte sich sogar in den US-Charts platzieren.

1966 war sein Höhepunkt: Die Singles „Nimm mich so wie ich bin“, „Honey Bee“, „Die goldene Zeit“ und die Langspielplatte „Drafi!“, auf der Deutscher auch gesellschaftskritische Protestlieder sang, wurden alle zu Verkaufshits. Drafi Deutscher erhielt im selben Jahr auch den Goldenen Otto der Jugendzeitschrift Bravo als beliebtester Schlagerstar.

Vom erfolgreichen Sänger zum schockierenden Rebell

Nun hatte der junge Deutscher viele Songs in den Charts – doch nach dem Erfolg kam der Rückschlag: Der rebellische Sänger war durch seine Eskapaden in den Schlagzeilen. 1966 wurde er als „Sittenstrolch“ beschimpft und zu mehreren Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Er hatte sich betrunken aus dem Hotelfenster erleichtert – genau dann, als Schulkinder vorbeigingen. Auch das Finanzamt nahm ihn ins Visir. Die Folgen: Radiostationen und Sendeanstalten mieden es, Songs von dem Rockstar zu spielen. Für Deutscher aber kein Grund, sich unterkriegen zu lassen. In dieser Zeit sah man ihn häufiger auf dem Wochenmarkt Stoffe feilbieten und als DJ arbeiten. So konnte er seine Familie und sich über Wasser halten.

Er trat unter 40 verschiedenen Psyeudonymen auf

Nach dem Umzug von Berlin nach München machte er sich in der Musikbranche nicht nur einen Namen: Unter 40 verschiedenen Pseudonymen wirkte er als Komponist und Songwriter mit – somit konnte er vermeiden, dass sein angekratztes Image einen erneuten Einstieg in die Branche schadete. So schrieb er unter anderem Titel für Tina Rainford (Silverbird, Charly Boy), Peggy March (Fly Away Pretty Flamingo), Bino (Mama Leone) oder Boney M. (Belfast).

1983 schaffte er gemeinsam mit Nino de Angelo den nächsten Ohrwurm mit „Jenseits von Eden”. Auch „Guardian Angel” von Deutschers Formation Masquerade erklang zur selben Zeit häufig im Radio. Letzteres wurde in 22 Ländern veröffentlicht und landete fast überall einen Nummer-1-Hit.

In die Schlagzeilen geriet er nur mehr aufgrund seiner Kurzehe mit Isabel Varell, bekannt als Schlagersängerin, Schauspielerin und RTL-Dschungelheldin („Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“).

Trotz gesundheitlicher Krise nicht von der Bühne wegzudenken

1999 wurde bei Drafi Deutscher ein schwerer, offenbar vererbter Diabetes mellitus diagnostiziert, nachdem er einen körperlichen Zusammenbruch erlitten hatte. Er hatte sich in den Vorjahren zu sehr verausgabt und zu wenig auf sich geachtet – daher nahm er sich das zum Anlass, umsichtiger mit seiner Gesundheit umzugehen. Es wurde ruhiger um den Künstler. Auf Benefizveranstaltungen war er aber ein häufig und gern gesehener Gast. Deutscher unterstützte Kindern mit Diabetes.

Leider meinte es das Schicksal nicht mehr gut mit ihm. Gesundheitlich ging es rapide bergab. Er musste aufgrund einer Lungenentzündung – eine der Ursachen dafür war sein hoher Zigarettenkonsum – in eine künstliches Koma versetzt werden. Dabei wurde von den Ärzten auch eine Schädigung der Herzkranzgefäße in Folge eines vermutlichen Infarkts festgestellt.

Drafi Deutscher verstarb im Alter von 60 Jahren am 9. Juni 2006 in der Universitätsklinik Frankfurt an den Folgen der Herzerkrankung. Beigesetzt wurde er unter großer Anteilnahme zahlreicher Kollegen und Fans in seiner Heimatstadt Berlin. Seine letzte Ruhestätte ziert ein Grabstein in Form eines Hutes – das Markenzeichen des unvergessenen Musikers.

Schlagworte
Mehr zeigen

Ähnliche Beiträge

Stadlpost.at
Close