G'schichten #1/21Stadl+STAR G'schichten

 Mario Steffen: “Ohne Andrea Jürgens wäre ich nie Sänger geworden”

Sie war sein Idol und auch seine Mentorin: Der Schlagersänger und eine bewegende Geschichte.

Schon als kleiner Steppke verehrte er Andrea Jürgens. Später leitete er einen ihrer Fanclubs. Die Sängerin und Mario wurden im Lauf der Jahre zu engen Freunden. Mit ihr starb auch einer seiner wichtigsten Lebensmenschen. Mario fährt oft zu ihrem Grab

Als Andrea Jürgens ihren ersten Fernsehauftritt an Silvester 1977 absolvierte, saß der damals Zweijährige Mario Huber in Erlenbach am Main auf dem Schoß seiner Mutter. Bei „Und dabei ­liebe ich Euch beide“ begannen bei der alleinerziehenden Mutti Huber die Tränen zu fließen. Da habe ich sie ganz fest gedrückt und leise mitgesummt“, erinnert sich Mario.

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In seiner Kindheit hieß es bei Mario „Nach dem Bade – Hitparade“. Das prägte. Wenn die Mutti ihn mit zur Arbeit in die Näherei nahm, saß Mario auf dem Bügelbrett und unterhielt die Kolleginnen mit Schla­gern. Und so gründete der schlagerverrückte Franke schon bald einen Andrea-Jürgens-Fanclub. Als Mario sein Idol dann endlich persönlich kennenlernen durfte, wurde aus dem Verhältnis „Fan und Künstlerin“ schon bald eine wertvolle Freundschaft. Und immer wieder fiel Andrea auf, wie schön der kleine Huber ihre Hits lauthals mitsang. „Du musst Sänger werden, kümmere dich“– diese Worte von Andrea nahm Mario sich zu Herzen. Als der Sender HR 4 einen Talentwettbewerb durchführte, überzeugte Mario mit „Eine neue Liebe“ von Jürgen Marcus. Der Moderator war begeistert und der erste Plattenvertrag winkte. Andrea sagte damals zu ihm: „Wenn du Huber heißt, kommst du in die volkstümliche Schublade.“ Mario brauchte einen Künstlernamen. „Steffen klingt gut“, sagte Andrea Jürgens, „in der Schule hatten wir einen Steffen, in den waren alle Mädchen verliebt.“

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„steh zu dir, egal, wie Du bist. wer Dich so nicht mag, hat Dich auch nicht verdient“

Und so wurde aus Mario Huber Mario Steffen. Dann das erste Interview. Mario wurde nach einer Freundin gefragt. Nach hilflosem Stottern erfand er eine Antwort: „Ich habe noch nicht die Richtige gefunden.“ Dabei hatte er sich damals gerade zum ersten Mal in DEN Richtigen verliebt. „Deswegen hat mir Andrea richtig den Kopf gewaschen“, erzählte Mario STADL­POST. „Du spinnst wohl, steh zu dir, egal, wie du bist. Und wer dich so nicht mag, der hat dich auch nicht verdient.“ Dieser Satz wurde sein Lebensmotto. Und auch in der Zeit seiner Bäckerlehre hat Mario etwas gelernt: Lieber kleinere Brötchen backen, die gut schmecken. In den großen Semmeln ist meist nur heiße Luft. Und so lebt Mario Steffen heute seinen Traum als Sänger. Wenn es mal schwierig wird, setzt er sich in seinen kleinen roten Flitzer und fährt zu Andrea Jürgens’ Grab: „Das Wissen um die Endlichkeit erdet mich und ich kann mir dort alles von der Seele reden – vom Liebeskummer bis hin zu Absagen im Job.“ In der Sendung „Unvergessene Legenden“ beim Deutschen Musik Fernsehen sagte Mario: „Das Schlimmste in meinem Leben war, dass Andrea sich gut vier Jahre aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat.

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Ob Studiogelände Babelsberg oder die russischen Blockhäuser von Alexandrowka – Mario zog vor vielen Jahren nach Berlin und besucht oft Schloss Sanssouci oder Babelsberg

Sie hat nicht zugelassen, dass man ihr helfen durfte. Manchmal hat sie mich nachts traurig angerufen, aber schon am nächsten Tag war ihr Telefon wieder abgeschaltet.“ Als Mario Steffen dann nach dem Comeback Andrea wieder getroffen hat, spürte er eine große Traurigkeit in ihr. Heute weiß er, dass dieser Zustand eine Seele zerstören kann: „Beim Joggen höre ich immer Andreas Musik. Und im Herzen ist sie sowieso immer bei mir.“ Bei jedem seiner Auftritte widmet er seinem Idol das Lied „Ein Abschied“, das er in der TV-Sendung beim DMF auch live für Andrea Jürgens singen durfte.

Single-TIPP: Der Titel „Metropolis“ fristete bislang ein Schattendasein als B-Seite der Single „Fluchtwege“ von Katja Ebstein (1983). Mario Steffen erweckt den magischen Song zu neuem Leben. Label: FIESTA RECORDS

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