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 Li(e)sbeth List: Und wieder hat uns eine Legende verlassen

Die Chanson-Sängerin war bei der ersten Hitparade dabei

Sie werden immer weniger – die noch verbliebenen Premieren-Teilnehmer der ersten „ZDF-Hitparade“ vom 18.01.1969. Waren bei Erscheinen des Buches „Die Chronik der ZDF-Hitparade – Die Ära Dieter Thomas Heck von 1969–1984“ noch sieben der 14 Interpreten am Leben, so sind es nunmehr nur noch deren fünf: Graham Bonney (76), Jacqueline Boyer (79), Bata Illic (80), Siw Malmkvist (83) und Peter Orloff (76).

Bereits ins Jenseits abberufen worden wurden – neben „Hitparaden“-Moderator Dieter Thomas Heck (2018; 80): Renate Kern (1991; 46), Roy Black (1991; 48), Gerhard Wendland (1996; 80), Rex Gildo (1999; 63), Manuela (2001; 57), Erik Silvester (2008; 66), Anna-Lena (2010; 66) und zuletzt Karel Gott (2019; 80). Am 25.03.2020 ist nun auch die niederländische Chansonsängerin Liesbeth List im Alter von 78 Jahren verstorben. In der ersten „Hitparade im ZDF“ hatte sie die Startnummer 9. Ihr Titel „Der Herr Marquis“ war von Hans Blum und Drafi Deutscher (†) geschrieben worden. Hierfür hatte sie das „e“ aus ihrem Künstlervornamen gestrichen, weswegen auf dem Single-Cover „Lisbeth List“ steht.

List Her

„Der Herr Marquis war ein Genie“, ließ Liesbeth List uns – als Lisbeth List – in der Premieren-Sendung der „ZDF-Hitparade“ am 18.01.1969 wissen. Es sollte ihr einziger Auftritt in der Kult-Show bleiben.

Ihr bürgerlicher Name war Elisabeth (Elly) Dorathea Driessen in Bandoeng. Als ihre großen Förderer erwiesen sich Rob de Nijs (*1942) sowie Ramses Shaffy (1933–2009). Sie arbeitete mit Größen wie Mikis Theodorakis, Jacques Brel, Charles Aznavour oder Gilbert Bécaud. Mit ihrer eigenen Fernsehshow gewann sie 1969 beim Golden Rose Festival in Montreux. Peter Maffay und Michael Kunze schrieben 1972 für sie „Die blaue Blume“ – „Ein Pop Oratorium“. 2002 wurde Liesbeth List von Kulturminister Cees van Leeuwen als „Ritter im Orden des niederländischen Löwen“ ausgezeichnet. Für ihre Darbietung in „Piaf de Musical“ (über Edith Piaf) wurde sie – bereits zum zweiten Mal – mit dem Musical Award als beste Schauspielerin geehrt. 2017 zog sie sich – nach 55 Jahren Showgeschäft – aus gesundheitlichen Gründen zurück. Im selben Jahr jedoch wurde das Musical „Liesbeth“ uraufgeführt, des Weiteren erschien unter dem Titel „Die Tochter des Leuchtturmwächters“ eine weitere Biografie. Ihr Resümee: „Es war wunderschön. Ich bin eine dankbare, stolze und glückliche Person.“ Am 25. März 2020 schloss Liesbeth List 78-jährig in ihrer Heimatstadt Soest für immer die Augen.