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 Ladinisch: Das Erbe der Kelten und Rätoromanen

In Südtirol wird das Ladinische noch im Grödnertal und im Gadertal gesprochen. Aus der Vermischung der keltischen, beziehungsweise rätischen Kultur mit dem Lateinischen entwickelte sich im ersten Jahrhundert n. Chr. das Ladinische.

Südtirol ist ein Land mit zwei Sprachen, nämlich Deutsch und Italienisch. Dass in manchen Regionen sogar eine dritte Sprache als Landessprache anerkannt und gelebt wird, wissen wahrscheinlich die wenigsten. Lange Zeit wurde Ladinisch fälschlicherweise als italienischer Dialekt eingestuft, dabei reichen die Wurzeln dieses Sprachschatzes weit in die Vergangenheit zurück – noch vor die Entstehung der italienischen Sprache.

Älteste Sprache der Dolomitenregion

Das Ladinische (auch Rätoromanisch genannt) ist eine neolateinische oder romanische Sprache, deren Bezeichnung sich vom lateinischen LATINUS (Lateinisch) herleitet und bereits im ersten Jahrhundert n. Chr. entstanden ist.

Als die Römer zwischen dem ersten Jahrhundert v. Chr. und dem fünften Jahrhundert n. Chr. den Alpenraum eroberten, vermischte sich die keltische, beziehungsweise rätische Kultur mit der volkslateinischen Sprache, woraus sich das Ladinische entwickelte. Die gesprochene Sprache ist also sehr alt, die Schriftsprache hingegen vergleichsweise jung. Erstmals dokumentiert wurde sie um das Jahr 1700 n. Chr., bis dahin wurden Mythen und Legenden stets mündlich überliefert.

In früheren Zeiten war Ladinisch die am weitest verbreitete Sprache der Alpen. Sie wurde von der Donau bis zum Gardasee, vom Tessin bis nach Triest gesprochen. Erst, als während der Völkerwanderung Bajuwaren und Langobarden in den Alpenraum einfielen und dort siedelten, wurde das Ladinische zurückgedrängt. Einzig in wenigen abgelegenen Tälern konnte sich die Sprache dank der isolierten Lage bis heute halten.

Interviewebild
„Granaten“-Sängerin und Autorin Anja Sorger kennt Otto und Joakin von vielen gemeinsamen Auftritten

Bindeglied zwischen fünf ladinischen Talgemeinschaften

30.000 Muttersprachler sprechen heutzutage Ladinisch. Trotz der italienischen Beeinflussung auf einer Seite und der deutschen auf der anderen, hat sich die ladinische Sprache noch in fünf Tälern Südtirols gehalten. Im Gadertal spricht man „badiot“, im Grödnertal „gherdëina“, im Fassatal (Fascian), Livinallongo (Fodom) und Ampezzo (Ampezan). Die verschiedenen Dialekte unterscheiden sich nicht wesentlich voneinander und sind gegenseitig von den angrenzenden Sprachen beeinflusst. Übrigens: Auch in der italienischen Region Friaul rund um Udine und im Schweizer Kanton Graubünden wird Ladinisch gesprochen.

Eine unsterbliche Sprache

Mittlerweile ist Ladinisch in Südtirol als dritte Landessprache und als regionale Behördensprache voll anerkannt. An den Schulen wird Ladinisch als Pflichtfach unterrichtet und auch Messen werden in ladinischer Sprache gelesen. Zudem gibt es ladinischsprachige Zeitschriften, TV-Nachrichtenmagazine und Bücher. Tipp: Wer sich für das Thema interessiert, sollte das Ladinische Kulturinstitut „Micurà de Rü“ und das Museum Ladin in St. Martin in Thurn im Gadertal besuchen. Neben vielen Informationen zur Geschichte der Ladiner gibt es für Urlaubsgäste auch einen „Schnellsprachkurs“ in Ladinisch.

Musikalischer Vertreter: JOAKIN STUFFER – Die Ladiner

Geburtsort: Brixen, Wohnort: Runggaditsch / Kastelruth, Lieblingsdialektwort: „Jule“ = Fliegen (Joakin ist begeisterter Paragleitschirmflieger).
„Heimat bedeutet für mich Geborgenheit! Das ist der Ort, wo ich mich wohl fühle, mit meiner Familie und meinen Freunden lebe, man mich schon von klein auf kennt“, so beschreibt der Naturliebhaber die Region, in der er aufgewachsen ist.

Seine Heimat ist ihm teuer. So ist er nicht nur als Feuerwehrmann engagiert, auch in seiner Funktion als Musiker ist es ihm wichtig, das Kulturgut der Ladiner zu wahren. „Unsere ladinische Sprache ist Teil unserer Geschichte und wird nur noch von sehr wenigen Menschen gesprochen. Gerade weil es sich um eine Sprachminderheit handelt, ist es mir wichtig, den Dialekt mit unserer Musik zu bewahren.“

Auf ihrem aktuellen Album „Zeit zu leben“ singen Otto und Joakin daher auch das Lied „Frei sein“ auf Deutsch und Ladinisch („Lidëza“). Wenn Sie Ihr Handy auf unser QR-Symbol oben halten, können Sie es sich auch gleich anhören!

Wörterbuch: Ladinisch – Deutsch

Bon dí – Guten Tag / Buna sëra – Guten Abend / bona nuet – Gute Nacht /
co vala? – Wie geht es dir? / ce fesa ncuei? – Was machst du heute? /
Giulan – Danke / Salve, salvete, sály – Hallo / Co aste pa inom?– Wie heißt du? / A s’udëi – Auf Wiedersehen / oué – Ja / nô – Nein / La hora exacta,
pùr favór? – Wie spät ist es, bitte?

Besonderheiten und Aussprache

• Das wohl charakteristischste Merkmal des Ladinischen ist das „Voseo“, das „Ihren“ und „Euch“. So wird es als sehr unhöflich empfunden, sein Gegenüber einfach zu duzen. Die Du-Form ist nur unter Freunden und Verwandten erlaubt oder wenn sie von einem Höherrangigem angeboten wird. Die „Sie“-Form lässt man Ausländern jedoch augenzwinkernd durchgehen.

• Doppelvokale, zum Beispiel ein „aa“ werden kaum oder gar nicht benutzt und stammen zumeist als Lehnworte aus anderen Sprachen.

• Gedehnte Vokale werden in der ladinischen Schriftsprache mit ` dargestellt, zum Beispiel à, è, ì, ò, ù. (z. B. „Kuh“ = „Cù“)

• Stark betonte, kurz gesprochene Vokale werden im Ladinischen als á, é, í, ó und ú dargestellt.

• Die Diphtongen „ä“, „ö“ und „ü“ werden nicht in einheitlicher Weise geschrieben. So wird ein „ä“ als „ae“, ein „ö“ sowohl als „oe“ als auch als „ë“ bzw als „Ë“ und ein „ü“ immer mittels eines „y“ dargestellt.

• Ebenso kennt das Ladinische zwei nasale Vokale, das ê und das ô.

CD-TIPP: Mit ihren Liedern wollen „Die Ladiner“ auch die Sprache ihrer Heimat bewahren. Und so findet sich auch auf ihrem aktuellen Album „Zeit das Leben zu lieben“ (MCP) ein Beitrag auf Deutsch und Ladinisch!

Die Ladiner Zeit Das Leben Zu Leben V1

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