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 Johannes Niggl: Do legst di nie da!

Ein musikalischer Vertreter des bairischen Dialekts ist JOHANNES NIGGL. Er wohnt in Büchlberg im Bayerischen Wald. „Ich werde meiner Sprache immer treu bleiben, egal, wohin es mich verschlägt“, ist sich das Multitalent sicher.

Weit über 1000 Jahre alt, noch nie standardisiert und beliebt wie noch nie – der bairische Dialekt. Einst zwischen den Alpen und der Donau entwickelt, waren die altbayerischen Dialekte ein Mischmasch aus alten romanischen und neuen germanischen Wörtern. Das ist auch der Grund, warum die Bayern viele Dinge anders nennen als der Rest der Deutschen.

Bairisch gehört zu den oberdeutscher Dialekten und nimmt etwa ein Sechstel des deutschen Sprachraums ein. Schon früh haben sich drei große Unterdialekte gegliedert. Man unterscheidet zwischen Nord-, Mittel- und Südbairisch. Der Dialekt wird nicht ausschließlich im Bundesland Bayern gesprochen. Bairisch erstreckt sich über circa 150.000 km² des deutschsprachigen Sprachraums und wird von ungefähr 15 Millionen Menschen gesprochen. Neben Ober- und Niederbayern, der Oberpfalz, in Teilen Ober- und Mittelfrankens und im südlichen Vogtland spricht man den Dialekt auch in Teilen Österreichs.

Auch in Südtirol, der Schweiz, in Ungarn, Tschechien und anderen Ländern finden sich noch bairische Sprachinseln. Man ist stolz darauf, „bairisch zu sprechen“ – sogar wenn man eigentlich von woanders herkommt. „Mia-san-Mia“, das ist nicht nur ein weit verbreiteter und beliebter Ausruf des FC Bayern, dieser Gedanke schafft es seit langer Zeit auch, dass der bayrische Dialekt gleich nach dem Norddeutschen als beliebteste Sprachfärbung der deutschen Sprache eingestuft wird. Der Förderverein Bairische Sprache und Dialekte sieht Bairisch sogar als eigenständige Sprache und somit als Regionalsprache an. Das wiederum hat die UNESCO, die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur, als schützenswert eingestuft. Bairisch ist nicht gleich bayrisch! Während man unter Bairisch mit „i“ die Bezeichnung für den Dialekt versteht, beschreibt das Wort Bayrisch mit „y“ einen geographisch-politischen Begriff, der das allgemeine Bayern, also sowohl Sprachgebiet als auch politisches Territorium einschließt. Seit 1911 arbeiten Sprachforscher in München am bayrischen Wörterbuch – 2060 soll es angeblich fertig sein. Aus heutiger Sicht soll der Sprachschatz dann etwa 120.000 Dialektworte beinhalten.

Du ko’sd de drahn wiasd wuisd, da Oasch bleibd imma hindn – Es gibt Sachen, die man nicht ändern kann, „Scheiß da nix, dann feid da nix!“ – Tu dir nichts an, „Sau-Preiß!“ Schon mal gehört? Der ist übrigens gar nicht so böse gemeint wie er klingt. Laut den Bayern handelt es sich bei dieser Bezeichnung für den Preußen oder Berliner nicht um eine ausländerfeindliche Anrede, sondern vielmehr um eine nüchtern zusammenfassende Bezeichnung für Leute die jenseits des „Weißwurstäquators“ geboren wurden.

Der wiederum bezeichnet scherzhaft die gedachte Kulturgrenze zwischen Bayern und dem übrigen Deutschland. Ihre Lage orientiert sich dabei grob am Verbreitungsgebiet der „Münchner Weiß-wurst“, die beispielhaft als Wahrzeichen „bayrischer Esskultur“ dient.

„Oans, zwoa, drei, Gsuffa!“

Weißwurscht, Dampfnudln, Erdäpflsalat, Obazda, Leberkas, Kalbshaxn und Co. Diese „Schmankerl“ der bayrischen Speisekarte erfreuen sowohl Touristen als auch Einheimische nicht nur bei der Aussprache. Zusammen mit einer „Hoibn“ – einer Maß Bier – schmecken diese deftigen Genüsse sowohl bei Volksfesten wie der „Wiesn“ in München als auch am Mittagstisch zu Hause. Weitere typisch bairische Formulierungen: Des gähd af koa Kuahaut ned! Hochdeutsch: Nicht zu fassen. Kinna dad I scho, oba meng dua i ned! Hochdeutsch: Können würde ich schon, aber ich möchte nicht!

Erste Bühnenluft schnupperte er mit fünf Jahren, als er sich in der Band seines Vaters am Schlagzeug austoben durfte. Mit sieben erlernte er dann steirische Harmonika. Als Zehnjähriger hatte er bereits erste Auftritte als Solokünstler. „Auch wenn es für manche Menschen schwierig ist, mich zu verstehen – das Bairisch gehört einfach zu mir dazu, egal, ob in den Liedtexten, während eines Interviews oder am Fan-Stand. Manche verstehen dann nur Bahnhof. Ich versuche ab und zu, ihnen ein paar Formulierungen beizubringen. Das ist immer sehr lustig“, so der bekennende Dialekt-Fan zu STADLPOST. Sein aktuelles Album – natürlich auch im Dialekt gesungen – heißt „Die Dirndl in an Dirndl“. Derzeit arbeitet der Niederbayer im Studio bereits an neuen Liedern. „Am meisten hoffe ich, dass das 2. Johannes Niggl Fest Ende Oktober stattfinden darf. Aufgrund der aktuellen Situation haben wir es leider schon zum dritten Mal verschieben müssen, aber wie heißt es so schön: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!“ ■ Anja Sorger

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Besonderheiten des bairischen Dialektes:

1| Aussprache des A: Das „A“ wird auf zweierlei Arten ausgesprochen. Einerseits ähnelt es dem O-Laut wie zum Beispiel „Do kim i her“ (Von dort komm ich her). Andererseits kommt beim Artikel „der“ oder „ein“ ein helles „A“ zum Einsatz wie zum Beispiel „da Bruada“ (der Bruder).

2| Aussprache des E: Das „E“ klingt wie ein abgeschwächtes „Ä“, was auch beim „Ö“ gilt wie zum Beispiel „bläde Kuah“ (blöde Kuh).

3| Folgt auf das „E“ ein „I“ verschmelzen die Buchstaben zum Doppellaut „ey“ wie zum Beispiel „Geyd“ für Geld.

4| Aus „ie“ oder „il“ wird „ui“ (fuin= füllen,
Gfuih=Gefühl).

5| Der Konsonant „l“ wird am Wortende meist nicht ausgesprochen (schnell=schney, mal=moi).

Wörterbuch: Bairisch – Deutsch

Dangschiges Deandl – hübsches Mädchen / Vui Hoiz vor da Hüttn – tolle Oberweite / Minga – München / Fozzn – Mund / Dammisch – dumm / Schmarrn – Unsinn / Gnedlfriadhof – dicker Bauch / Heisl – Toilette / Hendl – Brathuhn / Glump – minderwertige Ware / An Guadn – Guten Appetit / Schdamperl – Glas Schnaps / Bieseln – auf die Toilette müssen / I Kimm ned auf da Brennsuppn daher! – Ich bin doch nicht blöd!

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