Stadl+STAR Interviews

 Howard Carpendale ist auf den Spuren der BEATLES

Aufgrund der aktuellen Corona-Lage konnte Howard Carpendale diesmal nicht selbst nach London reisen: „Es musste alles anderweitig geregelt werden“

Nachdem Howard Carpendales erstes Orchester- Album „Symphonie meines Lebens“ binnen eines Jahres mit Gold ausgezeichnet wurde, legt der Entertainer mit „Symphonie meines Lebens 2“ nach

Stadlpost: Lieber Howard Carpendale, als Sie Ihr erstes symphonisches Album aufgenommen haben – hatten Sie da „Folge 2“ schon im Hinterkopf?
Howard Carpendale: Eigentlich nicht. Ich dachte, das wäre eine einmalige Sache, die ein ganz großer Höhepunkt in meinem Leben war. Aber als die Schallplattenfirma mich Anfang des Jahres bat, ein zweites Album zu machen, habe ich mich wahnsinnig gefreut. Es passt auch irgendwie in diese Zeit, nicht jetzt groß mit neuen Produkten auf den Markt zu kommen und nach Hits zu schielen.

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Nicht nur die Symphonie seines Lebens, auch die Zusammenarbeit mit Kerstin Ott geht mit dem Hit „Wie frei willst du sein?“ (1980) in die Verlängerung


Stadlpost: Wie muss man sich den Aufnahmeprozess vorstellen?
Howard Carpendale: Uns wurden Hunderte von Tonspuren zugeschickt. Jede einzelne für sich. Und die habe ich zusammen mit Wolfgang Moroder, der mit Hit-Produzent Giorgio Moroder verwandt ist, zusammengemischt.

Stadlpost: Was war denn die erste Single Ihres Lebens?
Howard Carpendale: Ich hab mir alles von Elvis gekauft!

Stadlpost: Gab es auch in Südafrika einen Star, den Sie verehrt haben?
Howard Carpendale: Südafrika ist in Sachen Musik kein sonderlich bedeutendes Land. Wir haben uns eher an den englischen und amerikanischen Sängern und Gruppen orientiert. Elvis Presley war mein Lieblingssänger. Und Cliff Richard, den man in Deutschland komischerweise mehr zur Schnulzensänger-Kategorie zählt. In Deutschland ist er mehr durch Hits wie „Lucky Lips“, also „Rote Lippen soll man küssen“, bekannt. Dabei war Cliff Richard für uns ein purer Rocker. Es war entweder Elvis oder Cliff, die man damals mochte. Ich fand beide sehr gut.

Stadlpost: Haben Sie denn auch jemals Shows von Elvis Presley besucht?
Howard Carpendale: Nicht ein einziges Mal. Das ist eines meiner größten Versäumnisse. Hierzu muss man aber auch wissen, dass Elvis viel weniger aufgetreten ist, als wir denken. Er war nur viermal im Fernsehen. Das muss man sich einmal reinziehen – ein Mann wie Elvis hatte nur vier Fernsehauftritte in seiner ganzen Karriere! Er war ein paarmal live in Las Vegas. Einmal, als ich da war, habe ich seinen Namen stehen sehen und dachte „Mensch, da würde ich so gerne hingehen“. Aber da ich am nächsten Tag nach Deutschland fliegen musste, habe ich mir gesagt: „Gut, das werde ich schon wiederholen.“ Ich weiß noch ganz genau, wo ich war und was ich getan habe, als er starb. Das hat mich schon sehr getroffen.

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Kultstraße der Popkultur: In den EMI-Studios der berühmten Abbey Road nahmen die Beatles ihr gleichnamiges Album auf. Auch Howard Carpendale produzierte dort sein Album

Stadlpost: Sie sind außer John Lennon tatsächlich allen BEATLES begegnet. Welcher von den dreien hat Sie – menschlich gesehen – am meisten beeindruckt: Paul, Ringo oder George?

Howard Carpendale: Ich glaube, da würde jeder Ringo sagen. Ringo war ein ganz normaler Typ. Ich habe lange mit ihm zusammengesessen und über alles geredet. Ein paar Jahre später habe ich ihn auch in Frankreich getroffen. Zu Paul und George kann ich nicht sonderlich viel erzählen. Wir haben ein paar Bilder gemacht und das war’s!

Stadlpost: Von Ihnen ist der wunderbar philosophische Satz überliefert: „Ich brauche keinen Plan zu haben, um meinen Weg zu erkennen.“ Was genau meinen Sie damit? Dass ohnehin immer alles so kommt, wie es kommt …?
Howard Carpendale: Eigentlich meine ich damit, dass man im Laufe der Jahre in diese Schwellen-Situation kommt, bei der man weiß, wie man selbst tickt. Ich denke, man braucht lange, um zu wissen: „In welchen Punkten kann ich mir absolut vertrauen, weil ich so was schon durchlebt habe?“ Es ist einer der Vorteile des Älterwerdens, dass man viel ruhiger wird und nicht mehr bei jedem Schock ausflippt, sondern es einfach hinnimmt und sich überlegt, wie man damit umgeht.

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Stadlpost: Stimmt es eigentlich, dass ein so zukunftsorientierter Künstler und Mensch noch immer kein Smartphone besitzt und sich dieser Technik nach wie vor beharrlich verweigert?
Howard Carpendale: (lacht) Das ist vollkommen richtig! Ich setze im Moment auf Festnetz. Ich habe ein kleines ‚Lumpy-Handy‘. Ich sehe ständig alle Leute mit ihrem Smartphone am Durchdrehen und am Ausflippen, weil irgendwas nicht funktioniert. Ich hab da keinen Bock darauf! Ich schicke SMS-Nachrichten, und das reicht mir.


Stadlpost: Gehen Sie zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass die bisherigen Ersatztermine Ihrer „Die Show meines Lebens“-Tour wie geplant im September und November 2021 stattfinden können?
Howard Carpendale: Ich weiß nur, dass unsere Branche, wenn es nicht allerspätestens bis Sommer nächsten Jahres in irgendeiner Form mit Festivals, Open Airs und Konzerten wieder losgeht, ein echtes Problem hat.

Stadlpost: Wir danken ganz herzlich für das Interview und wünschen Ihnen alles Gute!

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CD-TIPP: Nach dem Erfolg der ersten „Symphonie meines Lebens“ hat Howard Carpendale mit dem Royal Philharmonic Orches­tra zwölf weitere Titel aufgenommen: „Symphonie meines Lebens 2“. (Electrola)

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