Dialekte der MusikweltStadl+

Hoagachtn an Zillachtol = dt.: miteinander reden im Zillertal

Sprache ist Identität, Sprache ist Heimat. Auf beides sind die Tirolerinnen und Tiroler bekanntlich besonders stolz.

Man könnte fast sagen, in Tirol gibt es so viele unterschiedliche Dialekte wie es Täler und Seitentäler gibt. Die unterschiedlichen Mundarten haben sich über Jahrhunderte hinweg entwickelt. Das liegt vor allem am damaligen Alltag der Bauern. In Tirol verbrachten Menschen ihr ganzes Leben ausschließlich an einem Ort – woraus sich die verschiedensten Spracheigenheiten in den jeweiligen Regionen bildeten.

Eines haben so gut wie alle Tiroler Dialekte gemein: das „velare affrizierte k“, wie es in der Fachsprache genannt wird. Kurz und einfach – das hinten im Mund­raum angeriebene „k“ mit einem mehr oder weniger leichten „ch“ hinten dran.

Für deutsche Ohren klingt die Sprache der Zillertaler nach Urlaub

Das Zillertal ist nicht nur bekannt für seine Vielfalt an Musik, sondern wird auch wegen seiner Sprache geliebt. Auch wenn es sich für deutsche Gehörgänge oft wie eine Fremdsprache anhört, lauscht man einem Zillertal Original einfach gern, wenn es redet.

Natürlich gehört der Zillertaler Dialekt zur deutschen Sprache. Genau genommen zum bairischen Dialekt, dem am weitestverbreiteten in Österreich. Dennoch nimmt das Zillertalerische eine besondere Stellung unter den Mundarten ein. Es ist die sprachliche Grenze zwischen dem Tiroler Ober- und Unterland. So trifft man hier auf manche Wörter, die es anderswo gar nicht gibt und sogar andere Tiroler in Staunen versetzen:

Anstatt der Präposition „dann“ sagt man im Zillertal „oft“ oder „oftang“. Und anstatt „senn“, was „sind“ bedeutet, verwendet man hier das Verb „henn“. „Oftang henn ma hoam gongen“ bedeutet daher etwa soviel wie „Dann sind wir nach Hause gegangen.“ Im Zillertal gibt es zudem noch verschiedene Unterdialekte – in Orten und kleinen Seitentälern. Für „leicht regnen“ verwendet man in Ried im Zillertal „tuuslen“, in Lanersbach und Finkenberg „träatln“ und in Fügen „fiisln“ oder „fiislen“.

Marc Pircher

Musik aus dem Zillertal:

Hier alle Musiker*innen und Formationen aus dem Zillertal erwähnen zu wollen, würde das Format dieser Seite sprengen. Von den traditionellen Volksmusik-
Interpreten einmal ganz abgesehen. Mit den Jungen Zillertalern, den Zellberg Buam, den Zillertaler Haderlumpen, den Zillertaler Mander, Gerlos Bluat, den Ursprung Buam, der Freddy Pfister Band, den Schürzenjägern oder den Mayrhofnern seien nur einige erwähnt.

Georg Spitaler von „Die Fetzig’n“ aus Zellberg liebt vor allem die Formulierung „Tuat a leichte“, was soviel bedeutet wie „Das passt schon so.“ „Unsere Musik ist schon stark vom Dialekt geprägt, denn Dialekt ist ein Stück Heimat und für mich etwas ganz Besonderes und Persönliches. Es gibt so viele verschiedene Mundarten. Da ist es manchmal schon ganz lustig, in Gesprächen an der Wortwahl und den Betonungen zu erahnen, woher das Gegenüber kommt. Das Publikum liebt unseren Dialekt, aber wir sind natürlich bei unseren Auftritten auch bemüht, dass sie uns und unsere Texte einigermaßen verstehen“, so Georg zu STADLPOST. Daheim und im Tourbus braucht natürlich keine Rücksicht auf die Sprache genommen werden. Da wird geredet, wie einem der Schnabel gewachsen ist.

Musik gehört zum Zillertal wie das Amen im Gebet. Man könnte meinen, die Menschen hier kommen schon mit einem Instrument in der Hand auf die Welt. Im Fall von Georg Spitaler ist das auch fast so der Fall. Als Sohn von „Zellberg Buam“-Chef Gerhard Spitaler ist ihm die Musik sozusagen in die Wiege gelegt worden. Traditionsbewusst und heimatverbunden wie er ist, lebt er auch heute noch mit seiner eigenen kleinen Familie dort. „Meine Heimat ist der Ort, an dem ich mich immer schon rundum wohl gefühlt habe. Ich bin froh und stolz hier im Zillertal leben und Musik machen zu dürfen“, schwärmt Georg. Und wie es sich für einen echten Zillertaler Künstler gehört, singen „Die Fetzig’n“ natürlich auf Zillertalerisch!

Wörterbuch: Zillertalerisch – Deutsch

Ducht – Durst / Dutnkraxn – BH / feacht – letztes Jahr / Fidel – Geige / friaga – früher / gwarig – wachsam / Hegl – Freunde / Huagacht – Unterhaltung, Treffen / Kumm’r – Zimmer, Schlafzimmer / leze beinand(a) – es geht mir nicht gut / Manda – Männer / ochnkügl’n – hinunterfallen / ranggl’n – rangeln, ringen, kämpfen / Ranz’n – breiter Gürtel / treschtang – tanzen, beim Tanz im Takt stampfen / Wiacht – Wirt / Zunta Staud’n – Alpenrosen / Guazelen –
Süßigkeiten / Henk – Honig / Zichna – Zirbenschnaps / G’sellin – Freundin bzw. Lebensgefährtin / Huagacht – Unterhaltung / Nochtal – Abendessen

Besonderheiten und Aussprache

• Ein Kennzeichen des Zillertaler Dialekts ist die „Mittelgaumigkeit“. Im hinteren Zillertal wird heute noch aus einem „u“ und „o“ ein „ü“ und „ö“ gemacht. Es heißt dort Tüx und Moarhöf für Tux und Mayrhofen. Das „o“ und das „u“ werden dabei im Mundraum weiter in der Mitte produziert.

• Die Realisierung von r vor t als ch wie etwa in Håcht für den Ort Hart oder die Aussprache von r vor n als ng in einem Wort wie Hiang für ‚Hirn‘.

• Darüber hinaus gibt es teilweise keinen Akkusativ: „I hon da geang.“ statt „I hon di geang.“ („Ich habe dich gern.“)

Singlecover Marc Pircher Die Herzen Zum Himmel

Single-TIPP: Bei Marc Pircher handelt es sich um ein Zillertaler Original aus dem Ort Ried. Seine aktuelle Single „Die Herzen zum Himmel“ (TELAMO) gibt einen Vorgeschmack auf das gleichnamige Album, das Anfang Juli erscheinen wird.

Ähnliche Beiträge