Stadl+Vinyl skurril

Heino sang auch schon schlüpfrige Texte

„Die Susi mit dem Mini-Rock“: Volkssänger Heino hatte es Mitte der 1960er- Jahre noch faustdick hinter den Ohren

All denjenigen, für die Heino noch immer der Inbegriff des Biedermanns oder gar Spießers ist, seien seine ersten Aufnahmen VOR seiner Solo-Karriere mit nicht immer ganz jugendfreien Texten ans Herz gelegt …

Wir richten in unserer neuen Rubrik „Vinyl skurril“ unseren Fokus auf besondere Tonträger-Veröffentlichungen. Starten wollen wir unsere Serie mit Deutschlands Volkssänger Nr. 1 – Heino. Es ist nämlich eine Mär, dass „Jenseits des Tales“ (ursprünglich ohnehin nur die B-Seite der Single „13 Mann und ein Kapitän“) die erste Single von Heino ist. So veröffentlichte Heino – Mitte der 1960er-Jahre VOR seiner Solo-Karriere – bereits DREI Singles mit seinen Freunden Dieter (Wolf) und Dino (Engelhardt).

Als „OK-Singers“ präsentierten sie als Trio die deutsche Version des Everly-Brothers-Titels „I’ll Never Get Over You“ – „Ich kann nie mehr von dir geh’n“ (B-Seite: „Johnny, kehr um“). Um ein Vielfaches interessanter ist jedoch „Die Susi mit dem Mini-Rock“ (B-Seite: „Lieschen, dein Blüschen“!) mit der Refrain-Zeile „Susi-Susi-Susilein, dein Röckchen, das ist viel zu klein – Susi-Susi-Susilein, es steht dir aber fein“.

Hierbei handelt es sich um einen astreinen Beat-Schlager (Auf Heinos erster LP stand geschrieben, dass seine Karriere „im Gegensatz zur modernen Beat-Hysterie“ aufgebaut sei …). Den Vogel schossen sie jedoch unter dem Pseudonym „Die 3 Küchenbuben“ ab.

Ok Singers Front 4c
3kuechenbuben 4c

Sowohl das Walzerlied „Die Köchin und der Koch“ als auch die eingängige Marsch-Polka „Die Kaltmamsell vom Parkhotel“ sind eindeutig zweideutig.

Der Berliner Cartoonist und Plattensammler Andreas Michalke weist darauf hin: „Sie können deutlich den berühmten Bariton hören, der ein Lied über eine Maus in einer Küche singt, und die Köchin zeigt dem Koch das Loch, aus dem sie stammt“. Michalke erklärt Heino auch gleich zum „deutschen Andy Warhol mit Sonnenbrille und blonden Haaren“ und „zum unbestrittenen König der deutschen musikalischen Verrücktheit“.

In dem 1994 (in England!) erschienenen Buch „Incredibly Strange Music Vol. II“ wird Heino als „arische Kombination aus Mitch Miller und Tom Jones“ bezeichnet. Dieter & Dino veröffentlichten – OHNE Heino – noch zwei weitere Singles als OK-Singers, bevor sie als „Dieter & Dino“ offiziell in Erscheinung traten.

Am 22.03.1975 wurde Heino – als Zweitplatzierter in der „ZDF-Hitparade“ („… und sie hieß Lulalei“) – von seinen Freunden Dieter & Dino überrascht. Dieter Wolf schied am 13.08.2018 im Alter von 79 Jahren gemeinsam mit seiner Frau Heidi (genannt „Püppi“), die an einem unheilbaren Rückenleiden litt, freiwillig aus dem Leben. Ein schwerer Schlag für Heino.

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