Dialekte der MusikweltStadl+

 Feinstes Kürbiskern-OUL mit hohem Erotik-Faktor

Die steirische Sprache ist eigentlich sehr einfach zu verstehen – wenn man mit ihr aufgewachsen ist …

Das Schneiderwirt-Trio aus der Lipizzanerheimat pflegt das sprachliche Brauchtum in der Tradition ihrer großen Vorbilder, den Kern-Buam.

Unsere Autorin Anja Sorger ist schon viel in der Welt herumgekommen. Sie stammt aus dem 400-Seelen-Bergdorf Gößnitz bei Maria Lankowitz. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet sie als freie Moderatorin und Redakteurin und tourt mit ihrer Band „die Granaten“ durch die Lande. Reisen, Songwriting, Kultur und Brauchtum zählen zu ihren absoluten Leidenschaften. In unserer neuen Reihe „Dialekte der Alpenwelt“ macht sie sich auf die Suche nach den verschiedensten „Mundarten“. Los geht’s mit ihrer eigenen Mundart – dem „woschechtn Stoasteirisch“ (deutsch: Steirisch). Hier ihre interessanten Recherche-Ergebnisse:

„Der Begriff ,Dialekt‘ wird im Lexikon wie folgt erklärt: ,Dialekt ist eine Gruppe von Mundarten mit gewissen sprachlichen Gemeinsamkeiten.‘ Und genauso sehe ich es auch. Sprache ist Gemeinschaft, Zusammengehörigkeit, etwas Schönes, Positives und vor allem Herzerwärmendes, das es zu bewahren gilt. Wenn ich nach längerer Abwesenheit wieder nach Hause komme und Familie, Nachbarn und Bekannte mich mit einem steirischen ,Griaß di‘ begrüßen, dann kann einem das schon viel geben. Als Redakteurin und Moderatorin bin ich bei meinen phonetischen Ausbildungen einmal auf einen tollen Spruch der Stimm-, und Sprachexpertin Ingrid Amon gestoßen: ,Man darf ruhig hören, woher Sie kommen. Man darf aber auch hören, dass Sie dort nicht stehengeblieben sind.‘ Dieser Satz ist für mich seither zum Motto geworden.

Dialekte Teil 1 Stoasteirisch
Granaten-Sängerin und Journalistin Anja Sorger stammt aus der West- steiermark. Ihr Lieblings- getränk: ein „guada Schülcha“ (steirischer Wein)


Wörterbuch: Stoasteirisch – Deutsch

Abschnudln – abküssen, abschlecken / anlegn/oziechn – anziehen / ausziehen von Kleidung / Opflbutzn – Kerngehäuse eines Apfels / Bodwaschl – Bademeister / Bloßfiassi – barfuß / Buttn – Rückentraggefäß / Trumm – großes Stück / Eiaspeißreindl – Metallgeschirr zur Zubereitung von Rührei / Gölsn – Gelse, Stechmücke / Gschisdigschasti – Unsinn / Gschoudat – ungekämmte Haare / Jangga – Trachtenjacke / Terrische Kapelln – besonders schwerhöriger Mensch / Kästn – Kastanien / Kloani Krout – kleine, aber wendige Person / Krüagl – halber Liter Bier / Mognstrudl – Faustschlag in die Magengrube / Nudlwolga – Holzrolle zum Auswalzen eines Teiges / Rotzbremsn – Oberlippenbart / Schandi – Polizist /
Spekuliereisen – Brille / Wirexn – Wespe / Fetzn – Spültuch, aber auch Synonym für einen Rausch.

Man sollte, speziell als jüngerer Mensch, nie seine sprachlichen Wurzeln vergessen. Der reiche Sprachschatz von uns Steirern ist wie ein Abbild unserer Mentalität. Ein einziger Dialektausdruck kann oft schon Lebensgefühl, Kultur und Geschichte eines Menschen widerspiegeln. Reden, ,wie da Schnobl gwoxn is‘, ist einfach die ehrlichste und gefühlvollste Art, sich auszudrücken.

Eines vorweg: DEN einen steirischen Dialekt gibt es nicht. So vielfältig unser Land und unsere Kultur, so unterschiedlich ist auch unser Dialektschatz. Österreich teilt man sprachhistorisch in das Alemannische in Vorarlberg und dem Bairischen im restlichen Bundesgebiet ein. Bairisch wiederum ist gegliedert in den süd- und den mittelbairischen Teil, dazwischen gibt es ein Mischgebiet. Der Großteil der Steiermark ist in diesem Übergangsgebiet gelegen. Meine Heimat, die Weststeiermark und ein Teil der Obersteiermark, zählen zum südbairischen Dialektraum.

Das Ausseerland und das Ennstal hingegen sind schon fast mittelbairisch. Speziell der Dialekt von uns Weststeirern wird von Außenstehenden scherzhaft oft als ,bellen‘ bezeichnet. Das kommt vermutlich daher, dass wir besonders den Vokal ,o‘ oder auch das ‚ö‘ als ‚ou‘ oder ,oa‘ aussprechen. Unser Kürbiskernöl wird dann gerne mal zum Kürbiskern-Oul, der Dotter zum Doutta, das Ei zum Oar und aus dem Most wird der Moust.

Was genau ist STOASTEIRISCH?

Die steirische Mundart wird gerne als ,stoasteirisch‘ bezeichnet. Das hat wohl damit zu tun, dass das Wort ,Stein‘ im steirischen Dialekt ,Stoa‘ heißt. Bei einer Umfrage zum Thema Dialekte in Österreich rangierte das Steirische in Sachen Erotik-Faktor übrigens auf Platz drei! Nur Kärnten und Tirol liegen vorn. Für eine Steirerin, die weiß, wie ,oubandln‘, also flirten, geht, völlig unverständlich.“

Steirisch g’redt und steirisch g’sungen: ANDREAS GABALIER

„Wenn der Berliner im steirischen Dialekt singt, ist eigentlich alles erreicht“, sagte der gebürtige Obersteirer Andreas Gabalier einmal in einem Interview. Mittlerweile hat es der Volks-Rock’n’Roller geschafft, dass Jung und Alt aus nah und fern seine Lieder in steirischer Sprache auswendig singen und die Fans den Dialekt ihres Superstars sogar imitieren.

Die Besonderheiten dieses Dialekts
„eu“ wird zu „ei“ und „äu“ zu einem langen „a“
Beispiel: Leut=Leid, heute=heid, Bäume=Bam

Alles Harte wird meist weicher gesprochen Das gilt besonders für die Buchstaben t und p
Beispiel: Tante=Dand, Torte=Tuadn, Post=Boust, Palette=Baledn

Das Schluss-e spart man sich, auch Mehrzahlendungen fallen oft weg Beispiel: Schafe=Schouf, Leute=Leid, Pferde=Pferd

Das „r“ wird nach einem Vokal immer zu einem „a“
Beispiel: Wirt=Wiad, Wort=Woad, Ort=Oat „ü“

und „ie“ werden oft zu „ia“ lügen=liagn, ziehen=ziachan, kriegen=kriagn, müssen=miasn

Dass das alles so weite Kreise zieht, hätte er wohl selbst nie gedacht. Bei seinem ersten Radiointerview hat er damals aus lauter Nervosität im tiefsten Dialekt gesprochen.

Der steirische Brauch: KERN-BUAM UND SCHNEIDERWIRT-TRIO

Die legendären Kern-Buam haben schon Jahrzehnte vor Andreas Gabalier den „steirischen Brauch“ in die weite Welt hinausgetragen. „… a tiakischer Steaz und a Schwoummsuppn drauf, Holadrio“ – so besangen sie die Leibspeise der Steirer, bestehend aus Polentasterz mit Schwammerlsuppe. Die Nachkommen der Kern-Buam, das Schneiderwirt-Trio, tragen nicht nur musikalisches Kulturgut, sondern auch den weststeirischen Dialekt weiterhin in die Welt hinaus.

Pagger Buam

„I bin a Wüldara“ (dt.: Wilderer), „Zwischn holwa und dreiviertl“ (dt.: Zwischen halb und dreiviertel) oder auch „Ghupft wie ghatscht“ (dt.: Ganz gleich auf welche Art) sind nur einige der amüsanten Titel aus der Feder der Pagger Buam.

Richtig authentisch sind die Eigenkompositionen natürlich dann, wenn sie im „Stoasteirischen“ Idiom gesungen werden. Weitere musikalische Vertreter des steirischen Dialekts sind DIE GRANATEN (passend dazu ihre Songs „Steirischkurs für Anfänger“ und „Steirischkurs 2.0“), DIE EDLSEER und die Kultband STS (legendär ihr Hit „I will wieda hoam“).

Andreas Gabalier Live Königsplatz 4 München Foto BMC

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