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Exklusiv-Interview: Schürzenjäger Frontmann Stevy Wilhelm und seine musikalische Botschaft in der Krise

Sein Song zum Nachdenken geht viral: "Auf amol" berührt die Menschen in der Krise

Keine Konzerte, keine Auftritte. Für Künstler und Fans ist die Corona-Krise eine Belastungsprobe. Viele Sänger nützen allerdings die Möglichkeiten des Internets und wenden sich an ihre Fans mit Terrassenkonzerten, Videobotschaften oder neuen Songs. Ein Song sticht derzeit besonders heraus: “Auf amol” von Stevy Wilhelm, dem Frontmann der Schürzenjäger.

Sein Song trifft auf wunderbare Weise den Nerv der Menschen in dieser schweren Zeit. Wir haben Stevy exklusiv dazu befragt.

STADLPOST: Stevy, Dein Song spricht viele Menschen an. Warum, denkst Du, ist das so?

Ich glaube, wir sitzen momentan alle im selben Boot. Ein Virus geht um die Welt. Alle müssen auf einmal gewisse Regeln einhalten, von denen vor kurzer Zeit niemand nur gewagt hätte daran zu denken. Viele sind verunsichert oder haben Angst. Die Menschen suchen nach was, das ihnen Halt gibt in dieser schwierigen Zeit. Ich glaube, ich habe mit diesem Song den Nerv dieser Zeit und vor allem die Gefühle der Menschen getroffen.

Sicher willst Du auch Mut machen, aber Du sagst auch: “Bald ist wieder alles wie es war”. Denkst Du, die Menschen lernen nichts aus dieser Katastrophe?

Damit meine ich, dass es uns bald wieder gut gehen wird und wir in den Alltag, ins Leben zurück finden werden. Ob unser bisheriger Lebensstil aber richtig war (ist), wage ich zu bezweifeln. Ich muss zugeben, ich glaube eher nicht daran, dass sich nach dem Ganzen viel ändern wird. Die Menschheit ist zu gierig und machtbesessen um diese Struktur, welche wir uns über Jahrhunderte aufgebaut haben zu ändern. Ich würde es mir aber von ganzem Herzen wünschen, dass endlich ein Umdenken stattfindet.

Was würdest Du Dir wünschen, dass sich aufgrund der Corona-Erfahrung ändern sollte?

Ich glaube es wäre wichtig, sich von unserem Streben „immer höher – schneller – besser…“ zu verabschieden. Wir haben so viele Krankheiten in unserer Gesellschaft, die durch Stress ausgelöst werden. Wir sollten alles ein wenig gelassener sehen und uns auf die waren Werte des Lebens erinnern. Nicht zuletzt würde es uns die Umwelt danken!

In Venedig sieht man erstmals wieder den Meeresgrund. Corona – auch eine Chance für die Natur?

Auf jeden Fall! Wir sind nämlich wahre Meister der Umweltverschmutzung. Aber wie schnell sich die Natur ihren Raum zurück holt ist einfach einzigartig. Momentan kann die Erde einmal tief Luft holen. Gute Luft. Die Natur hat sich eine Verschnaufpause verdient. Ein Umdenken in Sachen Umweltschutz findet ja bei vielen Menschen schon seit längerem statt. Nur geht das halt sehr langsam voran. Wir müssten unser Verhalten eindeutig schneller ändern. Dazu braucht es aber auch Gesetze, die es den großen Konzernen nicht mehr erlaubt, so mit unserer Umwelt umzugehen. Man kann und darf nicht immer alles auf den Konsumenten abschieben.

Macht Dir das Virus Angst oder siehst Du auch ein paar Vorteile in der Krise?

Ich selber habe keine Angst vor dem Virus. Ich bin „jung“ 🙂 und fit. Ich halte mich aber an die Regeln die uns aufgetragen wurden, weil ich meine Mitmenschen, besonders die ältere Generation, schützen will. Vorteile sehe ich wenige, da ich nicht glaube, (wie schon erwähnt) dass wir unser Verhalten danach ändern werden. Aber es wäre schon viel getan, wenn ein Teil der Menschheit sich wieder mehr auf das Wesentliche besinnt. Ich glaube aber schon, dass der Zusammenhalt stärker sein wird als zuvor. Ich finde die Aktionen, welche meistens um 18:00 stattfinden, toll. Es gibt Konzerte auf Dächern und Balkonen. Es wird applaudiert für die Helden, die uns Tag und Nacht betreuen. Und gerade jetzt, wo wir uns den Mitmenschen nicht nähern dürfen/sollen, entsteht ein Gefühl des Zusammenhalts. Ein Vorteil ist auch, dass ich mehr Zeit für meine Familie und zum schreiben neuer Songs wie „AUF AMOL“ habe. 🙂

Was persönlich bedeutet die aktuelle Situation für Dich und Dein Umfeld?

Alle Gemeinden in Tirol sind unter Quarantäne. Wir dürfen unser Haus nicht ohne wichtigen Grund verlassen. Das soziale Leben ist daher sehr eingeschränkt. Meine Frau und ich machen es so, dass wir jetzt mit unseren Freunden Videokonferenzen machen, um uns nicht ganz aus den Augen zu verlieren. Ich bin aber momentan durch meinen “viralen Musikhit“ ganz gut abgelenkt. Ich verbringe jetzt die meiste Zeit damit, Interviews zu geben und meine Socialmedia-Netzwerke abzuarbeiten.

Gibt es auch eine Art Künstler-Solidarität? Es gibt ja auch die Idee, dass Leute ihre Karten nicht zurückgeben, auch wenn die Konzerte ausfallen, um die Künstler zu unterstützen.

Damit hab ich mich noch nicht wirklich befassen können. Aber ich finde, da muss die Regierung handeln. Für die meisten ist das momentan nich nur eine Epidemie, sondern auch eine finanzielle Katastrophe. Für viele Unternehmen, gerade Kleinunternehmer und Selbständige, ist die Existenz bedroht. Hier muss unsere Regierung handeln und zwar ohne viel Bürokratie, denn das muss schnell zu Demjenigen gelangen, der es braucht.

Wie gehst Du mit der Situation um, hat Dich Corona schon irgendwie verändert?

Man wird nachdenklicher. Ich denke viel darüber nach, auf was ich momentan verzichten muss/kann, ob ich auf vieles nicht auch vor der Coronakrise verzichten hätte können. Muss man immer alles haben? Was brauch ich wirklich? Solche Fragen gehen mir momentan durch den Kopf. Ich versuche mich vor Fakenews zu schützen, lasse mir keine Angst machen und blicke positiv in die Zukunft.

In einer Videobotschaft wendet sich Stevy an die STADLPOST-Leser:

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