Stadl+ZDF Hitparade

 Die Chronik der ZDF-Hitparade: Was in Ausgabe 2 passierte

Am 22.02.1969 ging die zweite Folge der legendären Sendereihe über die Bühne. Nach Startschwierigkeiten in der ersten Show...

Die Kritiken zur ersten Sendung waren größtenteils vernichtend. „Der Showmaster schrie, die Sänger flüsterten“, titelte beispielsweise BILD: „Besonders lautstark – das ist das Prädikat, das sich der neue Fernseh-Showmaster Dieter ‚Thomas’ Heck mit seiner ersten Fernseh-Hitparade verdient hat. Thomas schrie, als müssten ihn die Millionen Zuschauer in ganz Deutschland auch ohne Mikrofon von Berlin aus verstehen …

Dafür waren die Stimmen und Stimmchen der Schlagersängerinnen und Sänger so leise, dass man sie kaum noch wahrnehmen konnte.“ Gerhard Wendland hatte BILD dazu ein Interview gegeben und gesagt: „Das lief alles noch nicht sehr glücklich. Die Künstler hatten mit den Fernsehleuten wegen der Akustik gefeilscht. Aber die sagten lediglich, was über den Sender geht, sei gut. Wenn sie mich fragen – es war ein einziger Tonkäse. Ich merkte gar nicht, ob ich mit der Stimme überhaupt durchkam.“ Zum Schluss klangen dann aber doch noch einige aufmunternde Klänge durch: „Wenn Heck weniger hektisch ist und die Tontechnik für fülligere Stimmen sorgt, kann die neue ZDF-Hitparade noch gut werden …“.

Zum ersten Mal kam die Hitparade als Live-Sendung aus Berlin. Platziert haben sich: Roy Black (als haushoher Sieger) sowie Manuela, Karel Gott, Graham Bonney und Rex Gildo. Rex Gildo musste unmittelbar nach seinem Auftritt weiter nach Frankfurt, denn am 22. Februar 1969 stieg im Studio 2 des Hessischen Rundfunks die Show „Ein Lied für Madrid“. Für den deutschen Vorentscheid zum Grand Prix Eurovision de la Chanson war ursprünglich auch Alexandra vorgesehen, die ihre Teilnahme jedoch absagte. Also traten Siw Malmkvist, Peggy March und – eben – auch Rex Gildo mit jeweils drei Titeln an. Das Rennen machte Siw Malmkvist („Primaballerina“ – 7 Punkte). Zweite wird Peggy March („Hey, das ist Musik für mich“ – 4 Punkte). Rex Gildo, der nach der ersten Wertungsrunde noch vorne liegt, wurde letzten Endes Letzter – für seinen Beitrag „Die beste Idee meines Lebens“ gab es 0 Punkte.

Als erste Neuvorstellung präsentierte sich ein Mädchen, auf das die Aussage „17 Jahr’, blondes Haar“ zum damaligen Zeitpunkt zutraf. Gaby Berger war eine der vielen Entdeckungen der TV-Show „Talentschuppen“. Gleich ihre erste Single, „Der große Fisch“, durfte sie in der Hitparade vorstellen. Ein großes Mysterium rankt sich um den Song „Ob-La-Di, Ob-La-Da“: Der Titel „Ob-La-Di, Ob-La-Da“ hat es am 15.01.1969 gleich 3-mal (also 3-mal gleichzeitig!) in die deutschen Single-Charts geschafft. Sowohl The Beatles selbst als auch Howard Carpendale in der „Deutschen Originalaufnahme“) sowie auch The Marmalade (als – Achtung – „Ob-La-Di Ob-La-Da“); vier Wochen später taucht eine vierte Version in den Charts auf, diesmal in der Schreibweise „Ob-la-di, Ob-la-da“ von The Spectrum. Howard Carpendale feierte mit diesem Frühwerk seine Hitparaden-Premiere. Den deutschen Text zu diesem Beatles-Klassiker schrieb Hans Bradtke. Die seinerzeit 19-jährige Niederländerin Bonny St. Claire (schrieb sich später Bonnie St. Claire), die übrigens an Bord eines Schiffes das Licht der Welt erblickt hat, war gleich mit ihrer ersten deutschsprachigen Single („Kai-Uwe Schmidt“) in der Hitparade zu Gast. Sie präsentierte die deutsche Version eines Songs von Michele Lee: „L. David Sloane“. Der Text ist sehr originell und für damalige Zeiten recht revolutionär: Ein Blender buhlte in dem Lied um die Gunst der Dame, doch Bonny sang: „Lass mich doch endlich in Ruhe! Mach ne Fliege! Schieß in den Wind! Geh dahin, wo der Pfeffer wächst!“. 

Platz Neuv.Letzte SendungStart-
nummer
InterpretTitel
5.N-5-Rex GildoDondolo (Sound Asleep)
4.N-4-Graham BonneyWähle 3-3-3
3.N-3-Karel GottWeißt du, wohin? (Lara’s Theme / SchiwagoMelodie)
2.N-2-ManuelaGuantanamera (deutsche Version)
1.N-1-Roy BlackIch denk’ an dich
  -6-Gaby BergerDer große Fisch
  -7-Howard CarpendaleOb-la-di, ob-la-da (Deutsche Originalaufnahme)
  -8-Bonny St. ClaireKai-Uwe Schmidt (L. David Sloane)
  -9-Jürgen DraegerDu kannst alles von mir haben
  -10-HeinoTreue Bergvagabunden
  -11-KirstiEin Student aus Uppsala
  -12-Mary RoosDas hat die Welt noch nicht erlebt
  -13-Peter RubinAzzurro (deutsche Version)
  14Vicky (Leandros)Karussell d’amour

Jürgen Draeger ist gewissermaßen ein singender Schauspieler. 1966 konnte man ihn beispielsweise an der Seite von Udo Jürgens in dem Film „17 Jahr, blondes Haar“ bewundern. Nach zahlreichen Fernsehrollen („Die Revolution entlässt ihre Kinder“, „Hafenpolizei“, „Kriminalmuseum“) brachte ihm vor allen Dingen seine Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder große Popularität. Draeger hat zudem einige Bücher veröffentlicht. Nur mit der Schlagerkarriere sollte es nichts werden – „Du kannst alles von mir haben“ wollte nicht zünden … Jürgen Draeger (* 2. August 1940 in Berlin) ist heute ein erfolgreicher Maler. 

Neben Howard Carpendale feierte ein weiterer späterer Hitparaden-Dauergast in der zweiten Hitparade seine Premiere. Heino mochte es schon damals volkstümlich und besang die „Treuen Bergvagabunden“. Auf dem Singlecover war er damals noch ohne sein Markenzeichen, die Sonnenbrille, abgebildet – in der Hitparade trug er aber bereits eine dunkle Brille. 

Nachdem Bill Ramsey 1964 mit dem Titel „Ein Student aus Heidelberg“ recht erfolgreich gewesen ist (und Dorthe einige Jahre später mit „Er war Student aus Heidelberg“ Erfolg haben würde), verbuchte die Schwedin Kirsti (Sparboe)  mit „Ein Student aus Uppsala“ einen noch größeren Erfolg. 36 Jahre später, im Sommer 2005, sorgte der „Student aus Uppsala“ wieder für Stimmung: Der heiter-beschwingte Song von Henry Mayer (Komposition) und Georg Buschor (Text) feierte als „Shake Your Balla (1, 2, 3 – Alarma)“ von Hot Banditoz seine Wiederauferstehung. Und es gibt eine erstaunliche Parallele: Kirsti hielt seinerzeit erst nach ihrem Auftritt in der Heckschen „Hitparade“ Einzug in die deutschen Single-Charts, bei den Hot Banditoz verlief es ähnlich: Nach ihrem Auftritt in der von Dieter Thomas Heck moderierten Musikshow „ZDF-Sommerhitfestival“ landeten sie prompt einen Top 5-Hit. Vier Jahre (!) nach ihrem ersten Single-Hit „Geh’ nicht den Weg“ würde Mary Roos – allerdings erst im April 1969 – mit „Das hat die Welt noch nicht erlebt“ der zweite Treffer in den Charts gelingen. „Italienisch für Anfänger“: Dank Peter Rubin wissen wir, dass „Azzurro“ auf Deutsch „blau“ heißt. Geschrieben wurde die Nummer von Paolo Conte und Michele Virano (Musik) sowie Vito Pallavicini (Text). Die Originalversion machte Adriano Celentano weltberühmt. Aber auch der von Kurt Feltz geschriebene deutsche Text kam an und brachte Peter Rubin erstmals in die deutschen Charts. 

Vickys „Karussell d‘amour“ drehte auch in der englischen und in einer französischen Version seine Runden – in beiden Fällen als „Carrousel d‘amour“.

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