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 Die Ausserferner Mundart: Keiner spricht das “A” so rein und klar

Der kleinste Bezirk Tirols verfügt über einen eigenen, ganz speziellen Sprachstil mit äußerst melodischer Klangfarbe

Die Region Außerfern ist – wie es der Name schon sagt – jener Teil Tirols, der außerhalb des Fernpasses liegt. Mit seinen 1237 km2 und rund 32.800 Einwohnern ist das Außerfern der kleinste Bezirk Tirols.

37 Gemeinden gliedern sich in den Großraum von Reutte, das eigentliche Lechtal, das Tannheimer Tal und das Gebiet Zwischentoren. Dazu kommen noch die wildromantischen Seitentäler. Nur ein einziger ganzjährig geöffneter Straßenübergang führt ins übrige Tirol, sechs davon hingegen ins benachbarte Bayern.

Durch diese geografische Abgeschlossenheit und die alemannische Besiedlung bietet das Außerfern eine Reihe von Besonderheiten. Eine davon ist sein reicher Sprachschatz an Dialektformen und Wörtern.

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Der Lech ist der letzte Wildfluss im nördlichen Alpenraum

Alemannischer Dialekt

Die meisten Dialekte Österreichs werden dem sogenannten „bairischen“ Sprachraum zugeordnet. Zu diesem Sprachraum gehören die österreichischen Dialekte fast aller Bundesländer mit Ausnahme Vorarlbergs und der Region Außerfern im Norden Tirols. In diesen besonderen Regionen Österreichs wird nämlich „Alemannisch“ gesprochen, was ansonsten vor allem in der Deutschschweiz und im Südwesten Deutschlands vorkommt. Obwohl es in Österreich nur einen verhältnismäßig kleinen alemannischen Raum gibt, stößt man hier auf eine bunte Sprachlandschaft.

Die Besonderheiten dieses Dialekts

Besonders auffällig ist die Aussprache des „A“, das oft in die Länge gezogen wird. Auch beim Ausdruck aus(ziehen) und an(ziehen) wird aus dem „aus“ und „an“ einfach ein „a“.

Beispiel: Katze = Kaaz,

aus-/anziehen = aziacha

Wortendungen auf „-en“ haben die
Tendenz, zu „a“ (oder „o“) zu werden.

Beispiel: rennen = renna, singen = singa,
sehen = secha, getan = getoh

Eine Besonderheit sind auch die Mittelwörter der Vergangenheit, deren Dialektform grundsätzlich auf „-t“ endet.

Beispiel: gefroren = gefruart, getragen =
getrat, gewesen = gwest

Das „sch“ vor „sp“ und „st“ nicht nur am Wort­­­anfang (Stein = Schtein), sondern auch im Wortinneren erhalten.

Beispiel: Kasten = Kaschta, du hast/bist = du håsch/bisch

Wie bei Mundarten üblich, halten sich alte, aus der Schrift­sprache verschwundene Wörter. Beispiel: luaga (von lugen) für sehen/schauen, losna bzw. liesna (von losen) für hören, horchen

Das Außerfern ähnelt dem schwäbisch-alemannischen und dem schwäbisch-bairischen Dialekt. Die Allgäuer Siedler brachten bei ihrer Einwanderung ins Außerfern ihre schwäbische Mundart mit, daher spricht man in dieser Region eine alemannisch-bajuwarische Mischung.

„Dialekt isch, wenn’s nit a jeder kapiert – dialektisch spricht, wer logisch argumentiert! (Bluatschink)

Wobei eine deutliche innere Gliederung zu hören ist. Die Dialekte in dem zum Teil von Oberbayern und dem Inntal her besiedelten Ehrwalder Becken oder in den Nebentälern des Lechs klingen noch mehr wie das Oberländerische, während um Reutte das Schwäbische klar dominiert. Nur im Außerfern gibt es etwa das alemannisch offene, hell ausgesprochene „a“, während dieser Selbstlaut sonst in Tirol und Oberbayern als dunkles, dem o angenäherten „å“ gesprochen wird. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Dialekten der einzelnen Regionen und Täler sind also recht groß.

„STEVY“ Stefan Wilhelm

„Dialekt – das ist ein unfreiwilliger Identitätsnachweis“, schmunzelt Stevy im Gespräch mit STADLPOST-Redakteurin Anja Sorger. „Alle Dialekte haben etwas Besonderes an sich und ich finde es wirklich schade, dass immer mehr aussterben. Gerade in unserem Tal spricht man von Ort zu Ort gewisse Worte schon mal anders aus, allein diese Tatsache finde ich schon sehr interessant und spannend.“ Aufgewachsen ist der Musiker in Ehenbichl bei Reutte im Außerfern. Im zarten Alter von drei Jahren spielte er bereits mit seiner Zieharmonika Lieder aus dem Radio nach. Die Liebe zur Musik und sein Talent führten ihn schließlich in die Musikschule und in seine erste Rock-Coverband.

Nach diversen anderen Musikprojekten führte ihn der Zufall ins Zillertal, wo er von 2008 bis 2020 als Leadsänger der legendären „Schürzenjäger“ fungierte:

„Das ist eine Zeit und Erfahrung, für die ich sehr dankbar bin, und die ich nie vergessen werde, trotzdem habe ich mein eigenes, persönliches Projekt als Singer/Songwriter nie aus den Augen verloren und mich nach reiflicher Überlegung dazu entschlossen, ab sofort meinen eigenen Weg zu gehen.“

„STEVY“ steht für handgemachte, ehrliche Musik. Wohin die musikalische Reise genau gehen soll, weiß der Rebell mit Gitarre selbst noch nicht so genau. Die Ideen reichen von Balladen bis hin zu hartem Rock. Einfach das tun, auf das er am meisten Lust hat, und sich ja nicht in eine Schublade stecken lassen – das ist es, was der Lechtaler will. Am wichtigsten ist es ihm, dass die Songs von Herzen kommen. Air Plays im Radio sind dann der Bonus. Gesungen und geschrieben wird derzeit übrigens im Dialekt:

„Dialekt ist Heimat und das bedeutet für mich Vertrautheit. Heimat ist ein Ort, wo ich mich wohl fühle, wo ich hingehöre. Das Lechtal ist Familie, Freunde, und der perfekte Rückzugsort für mich, hier kann ich auftanken und neue Kräfte sammeln.“ Passend dazu seine aktuelle Single „Freunde fürs Leben“.

Bluatschink

Bluatschink ist eine Band aus dem Tiroler Lechtal, bestehend aus Liedermacher Toni Knittel und Ehefrau Margit. Seit über 30 Jahren begeistern sie mit ihren heiter-kritischen Songs im Lech­taler Dialekt. Mit ihrem einzigartigen Mix aus Pop-Songs und alpenländischer Weltmusik begeistern Bluatschink Jung und Alt.

„Fåscht Vorarlberg und doch Tiroler mit ,K‘ und gånz hinta dro, såga mir ålba a ,A‘. S’geit a Ausnåhm, då steaht a ,T‘, håsch des gwisst? Zerscht håmmers gebisst, nocha is-chas grisst, nocha hammar drauf gschiiiii …“

bluatschink
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Das Liedermacher-Duo Toni und Margit Knittel begeistert seit vielen Jahren das Publikum mit einem Mix aus Pop und alpenländischer Weltmusik

Der Name kommt übrigens vom Fabelwesen „Bluatschink“, das im Lech hausen soll. Für Bluatschink ist das Lechtal und das Außerfern nicht nur die Heimat vieler besonderer Tier- und Pflanzenarten, sondern auch für eine immer bunter werdende Menschenschar: In einem seiner Lieder heißt es:

„A Stückle Hoamat oder so –
des suacht doch jeder!

A Stückle Hoamat oder so –
und der der’s finda ko,

der fühlt sich selig oder so,
sei gånzes Leba.

A Stückle Hoamat oder so,
des ko’s no geba!“

Bluatschink

Wörterbuch: Außerfern – Deutsch

  • tixla – schleichen
  • Gottsacker – Friedhof
  • Knospa – Holzschuhe
  • Kehrwisch – feiner Handbesen
  • Aftermontig – Dienstag
  • Miktig – Mittwoch
  • Rom – Schlagsahne
  • Schefflà – Wanne, Trog
  • schloib – kränklich, unwohl
  • Leabla – Keks, Gebäck
  • Hunk – Honig
  • Lefas – blöder Kerl
  • Mang – Mond
  • làbàs oder làbàs it? – lässt man es oder nicht?
  • gagir – nervös, verwirrt, un­ruhig
  • Gutscha – Sofa
  • Kemmat – Kamin
  • miegig – lieb
  • Zegger – Einkaufstasche aus Stoff
  • Trutschala – Tannenzapfen
  • fladara – stehlen
  • schinareita – Skifahren
  • Gsalz – Marmelade

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