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 Cora: Diese Frauen stehen ihren Mann

Cornelia und Swetlana von dem Bottlenberg haben als Schlager-Duo CORA mit ihrem Jahrhunderthit „Amsterdam“ Musikgeschichte geschrieben. Seit fast 50 Jahren teilen die beiden ihr Leben und betreiben das Erlebnis- und Hochzeitshotel „Gut Schloss Golm“.

Beizen, schleifen, lackieren, dübeln, mauern und vieles mehr: Minky und Cora sind Profis!

Stadlpost: Wir sind zu Gast bei den Freifrauen von dem Bottlenberg, bei Cornelia „Cora“ und Swetlana „Minky“. Ihr seid ja aber keine Geschwister?

CORA: Nein, wir sind verpartnert. So heißt es offiziell. Das bedeutet, wir gehen bereits seit 1972 gemeinsame Wege. Sozusagen durch dick und dünn.

Minky: Manchmal fliegen bei uns auch die Fetzen, aber wenn es darauf ankommt, geht kein Blatt Papier zwischen uns.

Stadlpost: Erinnert ihr euch noch an eure erste Begegnung?

CORA: Ja, ich sang mit einer Freundin damals Background-Chöre und wir suchten eine dritte Stimme. Da nutzte ich ein Interview beim Sender Freies Berlin und startete einen Aufruf.

Minky: Und ich hörte die Sendung, bewarb mich und wurde eingeladen.

CORA: Von dieser Stunde an stimmte einfach die Chemie zwischen uns.

Minky: Wir sind als Chor in vielen Hits der 1970er-Jahre zu hören – von Roland Kaiser bis Marianne Rosenberg. Fast jedes in Berlin gesungene „Huhuhuhuuuuuu“ in einem Schlager stammte von uns (lacht).

Unser Gutschloss Golm
Es hat viel Zeit, viel Geld, viel Kraft und Kreativität erfordert, aber jetzt leben die zwei im Paradies

Stadlpost: Minky, dein Spitzname kommt von deinem Geburtsnamen MINKOW. Du wurdest nicht in Deutschland geboren?

Minky: Nein, ich bin in Bulgarien geboren. Mein Papa wurde 1962 als Musiker an die „Komische Oper“ Berlin verpflichtet. Wir wohnten damals in Ostberlin, aber vier Jahre später reiste unsere Familie in den Westen aus. Mein Vater wurde an die „Deutsche Oper“ verpflichtet.

Stadlpost: In den 70ern kam es zu einer bedeutsamen Begegnung …

Minky: Genau, wir schrieben gemeinsam erste Songs, unter anderem „Istanbul“ und „Liebeskummer“ und bewarben uns bei Frank Farian. Der fand das Material gut und veröffentlichte unsere ersten Titel.

Cora: Damals hatte Frank Farian immer die beste Technik, und so schenkte er uns plötzlich den Soundcomputer, auf dem er vorher das Projekt Boney M. kreiert hat. Er kaufte sich was ganz Neues aus Amerika. Und wir schrieben und produzierten „Amsterdam“.

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Während der Sanierung des Gutes blieb kaum Zeit für Musestunden

Minky: Das war 1984 der Durchbruch für CORA. Als dieser Song auch in Frankreich zum Megahit wurde, wussten wir, dass dieser Titel für immer unser musikalisches Markenzeichen sein wird.

Stadlpost: Auf einmal wart ihr Stars!

CORA: Seltsamerweise zunächst mehr in Frankreich und den Beneluxländern. Erst als wir 1987 mit „Perestroika“ absolut den Nerv der Zeit trafen, rollte unsere Karriere in ganz Europa an.

Einfach Mal Chillen Am Kamin Mu Auch Mal Sein
Ein großer Kamin darf auf einem Gut natürlich nicht fehlen. Cora und Minky heizen ein.Wer mehr über ihr Hochzeitshotel wissen möchte: www.gutschlossgolm.de

Minky: Und so produzierten wir unseren zweiten Erfolg auch erst in Englisch, das war der Song „In the Name of love“.

Stadlpost: Trotzdem habt ihr dann, nach erfolgreichen Auftritten in der „ZDF-Hitparade“, Gitarre und Mikro an den Nagel gehängt.

Minky: Coras Großmutter hatte in den 30er-Jahren auf Gut Schloss Golm ein Gästehaus für die UFA betrieben. Viele Stars nächtigten da während der Dreharbeiten – von Marlene Dietrich bis Ilse Werner. Vor dem 2. Weltkrieg musste sie das Gut allerdings verkaufen. Zu DDR-Zeiten wurde es enteignet und erst 1990 wieder an die vorherigen Besitzer zurückgegeben.

CORA: Ich war neugierig und fuhr mit Minky nach Golm an den Zernsee. Wir verliebten uns sofort in das stark sanierungsbedürftige Anwesen. Die neue Besitzerin verkaufte uns unseren ehemaligen Familienbesitz und so begann das Abenteuer unseres Lebens.

Minky: Das kann man wohl sagen! Ich beizte und malerte, Cora mauerte und schraubte. Und zwar von früh um 8 bis 20 Uhr nonstop. Oft bluteten uns die Finger und die Musik war lange kein Thema mehr.

Stadlpost: Eure Idee, ein Hochzeitshotel zu eröffnen, kam ja gut an …

CORA: Es war unser Traum gewesen, Menschen den schönsten Tag des Lebens unvergesslich zu gestalten. Ich kochte und backte. Meine Blechkuchen sind inzwischen legendär (lacht). Minky kümmerte sich um die Gäste. Es lief super.

Der Mann Im Hause Cora Hei T Carlos Und Wir Verwöhnt
Hund Carlos ist der Boss und Leitwolf im Haus von Cornelia und Swetlana: „Das nehmen wir gern in Kauf!“

Minky: Aber immer wieder, wenn die Gäste fragten: „Sind Sie nicht die zwei, die ,Amsterdam‘ singen“, riss die vernarbte Wunde auf.

CORA: Und dann machten die DJs den Song zum zweiten Mal zum Hit. Die Radiosender hängten sich dran – und auch TV- Angebote trudelten ein.

Minky: Also stellten wir uns ein Team zusammen, das mit uns das Gut Schloss Golm weiter betrieb und widmeten uns wieder mehr der Musik.

CORA: Drei bis vier Auftritte pro Woche waren es immer. Die Fans reisten von überall an nach Golm. Wir lebten doppelt glücklich – mit einem florierenden Hochzeitshotel und umjubelten Auftritten, bis Corona dann alles ausbremste.

Stadlpost: Aufgeben ist keine Option? .

Minky: Nein, natürlich nicht. Wir produzierten in dieser Zeit neue Songs und renovierten höchstpersönlich – wie schon das Hotel – unser Haus. Eine neue Veranda und Fenster wurden eingebaut.

CORA: Jetzt freuen wir uns auf den Sommer 2021 – auf neue Auftritte und viele, viele hochzeitswütige Gäste.