Stadl+STAR Interviews

 Bert Beel: „Ich bin ’ne echte Kitsch-Eule“

Berts Wohnung funkelt und glitzert in der Weihnachtszeit in Gold. An Heiligabend lädt er seine Freunde ein – denn viele Künstler sind in der Zeit ganz allein

Er gilt als einer der letzten Gentleman-Entertainer der guten alten Schule. Er singt und tanzt, moderiert, conferiert und parodiert – und ist sowohl im Radio wie im Fernsehen ein Quotenbringer

Stadlpost: Lieber Bert, beim Sender radio B2 erzielst du mit „Schlagerkult“ und „Evergreens a go go“ unglaublich hohe Einschaltquoten …
Bert Beel: Ich spiele den Menschen die guten alten Hits, mit denen sie schöne Erinnerungen verbinden. Jugendwahn hat bei mir keine Chance.

Stadlpost: Bei DEUTSCHES MUSIK FERNSEHEN bist du mit „Gemeinsam mit Liebe“ ein Publikumsliebling …
Bert Beel: Als die Corona-Krise begann, hatte ich die Idee zu der Reihe „Gemeinsam mit Liebe“. Ich besuchte die Menschen, erfüllte Musikwünsche und schenkte ihnen Trost in den dunklen Stunden. Ich war überrascht, dass mich inzwischen Tausende Zuschriften erreichten und dass ich bei vielen inzwischen der Freund auf der Couch geworden bin.

Stadlpost: Und das wird jetzt weihnachtlich adaptiert?
Bert Beel: Ja, ich werde an den Adventssonntagen zu Kaffee und Kuchen in die Wohnzimmer der Zuschauer kommen, mit erfüllten Musikwünschen, Geschichten rund um das Fest der Feste und einem großen Gewinnspiel.

Stadlpost: Weihnachten ist ja für dich etwas ganz, ganz Besonderes …
Bert Beel: Na ja, ich bin schon eine Kitsch-Eule (lacht). Kaum ist Totensonntag vorbei, wird alles dekoriert, da glänzt und funkelt und leuchtet es bei mir an jeder Ecke. Und seit über 40 Jahren ist bei mir an Heiligabend immer „Open House“ für Freunde und Kollegen. Da wird gegessen und getrunken, gequatscht und gesungen – und ganz viel Spaß gehabt. Der Grund ist ganz einfach: Tatsächlich sind viele sonst oft umjubelte Künstler an solchen Tagen allein.

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Interview noch ohne Weihnachts-Deko: STADLPOST-Reporter Michael
Niekammer besuchte Bert daheim

Stadlpost: Du gehst recht uneitel mit deinem Alter um – du wirst am 1. Dezember 76. Da ziehen sich viele zurück. Du aber arbeitest mehr als früher?
Bert Beel: Weil ich immer nur spielen will, ich wollte schon als Kind immer spielen und hab mir mein kindliches Gemüt erhalten. Mit Kostümen und Parodien, die die Menschen zum Lachen bringen, mit Melodien und Texten, die ihre Herzen berühren. Ich sitze auch gern vor Rundfunk-Mikros oder stehe vor TV-Kameras. So soll es bei mir bis zum letzten Tag auch bleiben.

Stadlpost: Du denkst also noch längst nicht an ein Ende?
Bert Beel: Na ja, die Reihen der Mitstreiter werden kürzer, zum Glück bin ich fit, und wenn es mal so weit ist, dann möchte ich gern nach der zweiten Zugabe hinter dem geschlossenen Vorhang einfach umfallen.

Stadlpost: Man munkelt ja, du hättest deine eigene Beerdigungsrede schon geschrieben?
Bert Beel: Ja, und auch schon eingesprochen. Inklusive der Pausen für den Applaus (lacht). Aber im Ernst: Auf meinem Grabstein soll der Titel einer meiner CDs stehen: „Es war eine schöne Zeit“.

Stadlpost: Du bist kein Superstar geworden. Macht dich das traurig?
Bert Beel: Ich war vor über 40 Jahren bei einer Wahrsagerin, die mir prophezeite, dass ich nie ein großer Star, aber bis ins hohe Alter auf die Bühne gehen und erfolgreich sein würde. Damals war ich total traurig, denn ich wollte doch mitmischen zwischen Rex Gildo und Chris Roberts. Heute bin ich sehr froh, dass die Prophezeiung sich bewahrheitet hat. Denn mich gibt es schließlich noch!

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Natürlich gehören auch selbst gebackene Plätzchen zu einem perfekten Fest: Bert liebt vor allem Bethmännchen

Stadlpost: Viele namhafte Autoren schrieben dir Lieder auf den Leib, von Hanne Haller bis Gunter Gabriel. Zum Hit wurde 1984 „Te quiro mi amor“. Ist das auch dein persönlicher Lieblingssong?
Bert Beel: Meinen Lieblingssong hat mir Hans Blum alias Henry Valentino geschrieben. Er heißt „Hier bin ich zuhaus“ und beschreibt einen Landeanflug auf meine Stadt Berlin. Da wurden meine Gedanken sehr schön umgesetzt. Einfach mal googeln, das gibt’s auch im Netz.

Stadlpost: Was nicht alle wissen: Du schreibst ja auch Witzebücher?
Bert Beel: Ich durfte von RIAS-Ikone Nero Brandenburg die Sendung „Evergreen a go go“ übernehmen und garniere seitdem dort die Oldies mit Witzen. So wurde ich zum Jäger und Sammler, denn ich war oft mit Humor-Urgesteinen wie Fips Asmussen oder Günter Willumeit auf Tournee. Inzwischen gibt es schon das dritte Witzebuch von mir und das Sammeln geht weiter.

Stadlpost: Du bist mit vielen Stars der Ex-DDR befreundet?
Bert Beel: Ich durfte als Westberliner schon zu Zeiten des Eisernen Vorhangs im Friedrichstadtpalast auftreten. Da lernte ich viele Stars kennen. Mit Dagmar Frederic bin ich noch heute befreundet. Und mit vielen Tänzerinnen und Tänzern des Balletts.

Stadlpost: Wurdest du eigentlich in Ost- oder Westmark bezahlt?
Bert Beel: In Ostmark! Aber „wie gewonnen so versoffen“ (lacht). Viele Westkollegen kauften sich ja im Osten von ihrer Gage Meißner Porzellan, Pelze oder Instrumente. Ich habe die Kollegen, das Ballett und die Techniker gern eingeladen. Das machte mir viel mehr Spaß. Und: Ein Sarg hat keine Regale!

Stadlpost: Mit dem Sarg lässt du dir aber bitte noch viel Zeit!
Bert Beel: Unbedingt, denn dazu liebe ich diesen Beruf viel zu sehr. Und wenn die Lichter auf der Bühne angehen, dann tut auch nichts mehr weh (lacht).

Stadlpost: Was wünschst du unseren Leser*innen zum Jahreswechsel?
Bert Beel: Egal, was kommt, Lachen nicht vergessen, denn „Das Lachen ist ein alter Brauch, der BEELzebub, der macht das auch.“

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Mit einer Glitzermütze dekoriert es sich gleich viel inspirierter: Bert bei der Arbeit

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