Interviews #4/21Stadl+STAR Interviews

 Ben Zucker: Jetzt erst RECHT!

Die Karohemden hat er vorübergehend abgelegt. Ben Zucker erlebt derzeit – im wahrsten Sinne des Wortes – „Die Leichtigkeit des Seins“.

Der um 15 kg erschlankte Ben Zucker legt am 16. April sein drittes Album „Jetzt erst recht!“ vor – mit zwölf Songs, die abwechslungsreicher gar nicht sein könnten …

Stadlpost: Lieber Ben, dein neues Album heißt „Jetzt erst recht“. Einen Song dieses Namens sucht man auf dem Album vergeblich – gibt es dafür eine Erklärung? Und: Wofür genau steht die kämpferische Losung „Jetzt erst recht!“?

Ben Zucker: Der Titel hängt mit der aktuellen Situation zusammen und mit der Herangehensweise, das Album so zu schreiben, wie es zu hören ist. Es ging darum, einen Albumtitel zu finden, der das ganze Bild der Entstehungsgeschichte des Albums beschreibt und das Bild abrundet. Ich wollte keinen Extratitel machen, aber das Album sollte „Jetzt erst recht!“ heißen.

Ich erinnere mich an das Abschlusskonzert der Arenatour 2019 in der Mercedes-Benz-Arena vor 14.000 Zuschauern – das war großartig und ergreifend. Es war mein bislang letztes Konzert. Dann kam der Lockdown, es wurde auf einmal alles ruhig und leise. Daraufhin bin ich kurz in ein tiefes Loch gefallen. Ich habe Zeit gebraucht, um den Zustand der heutigen Zeit zu akzeptieren, in der wir uns jetzt befinden, mich ungesund ernährt, bisweilen zu viel Alkohol getrunken und habe mich etwas verloren. Mir fehlte das Ziel. Keiner wusste, wo die Reise hingeht – wann hört es auf.

Anfang August habe ich angefangen, mich wieder hinzustellen. Ich habe gedacht, dass ich JETZT die Zeit habe, mich zu verändern, an mir zu arbeiten, die Dinge um mich herum zu verändern – auch wie ich wohne, wie ich lebe oder wer mein Freund ist und wer nicht. Dinge reflektieren und genauer betrachten. So ging es los. Da habe ich „jetzt erst recht“ festgestellt, wie wichtig der familiäre Zusammenhalt ist, auch innerhalb der gesamten Menschheit. Auch zu bemerken, wie schnell alles vorbei sein kann. Diesmal gibt es auf dem Album eine sehr genaue Ausrichtung – anders als bei „Na und?!“ und „Wer sagt das?!“. Diesmal mit dickem Ausrufezeichen. Ich sage genau, worum es geht.

Stadlpost: Wie zuversichtlich bist du, dass du GIOVANNI ZARRELLA in den Offiziellen Deutschen Album Charts vom Thron stoßen kannst?

Ben Zucker: Sein Album erscheint ja eine Woche vor meinem. Aber ich denke darüber nicht nach. Er ist ein Freund und soll gerne zweimal die Eins holen, hat er verdient. Ich bin da entspannt.

Stadlpost: Wie groß ist der Druck, erneut ein Nummer-eins-Album abliefern zu „müssen“?

Ben Zucker: Das spielt für mich keine Rolle. Es gibt keinen Druck. Ich freue mich, überhaupt mein drittes Album veröffentlichen zu dürfen. Darauf freue ich mich sehr. Es geht nicht darum, eine Nummer eins zu knacken – das hat für mich keine große Relevanz. Es gibt keine konzeptionelle Last auf mir, das Album vor dem Hintergrund einer guten Chart-Notiz zu produzieren. Es geht um die Emotionen, die ich gerne transportiere, um schöne Live-Konzerte später zu haben. Chart-Notiz ist interessant, aber nicht wichtig für mich.

Stadlpost: Die Karohemden wurden abgelegt, auch sonst ist ja eine Typveränderung wahrnehmbar. Man sagt, dass hinter jeder Veränderung eine Frau steckt. Ist das auch bei dir so der Fall?

Ben Zucker: Ist das so, ja? (lacht) Nein, nicht unbedingt – es hat eher mit der Veränderung zu tun, dass ich beschlossen habe, an mir etwas zu ändern, mich wieder wohler zu fühlen und abnehmen zu wollen. Ich habe gemerkt, dass ich wegen der mangelnden Ziele im letzten Jahr mich habe etwas hängen lassen – und jetzt war das für mich ein guter Punkt, an mir zu arbeiten.

Es war aber auch gut zu sagen, dass mein neues Album deutlicher und reflektierter wird, weil ich diesmal mehr Zeit hatte. Wobei meine letzten Alben natürlich auch reflektiert waren. Aber ich hatte nun mehr Zeit, noch deutlicher zu werden. Ich habe deswegen gedacht, auch an mir etwas zu ändern. Die Karohemden bleiben alle, ich werde die zwischendurch auch live mal wieder anziehen. Konkret für das Album wollte ich aber ein anderes Bild von mir darstellen.

Stadlpost: Gibt es Ambitionen für ein eigenes Modelabel, zum Beispiel beogen auf die verschiedenen Socken?

Ben Zucker: Nein. Es kommen schnell viele Menschen auf Ideen, ich hatte auch schon Kooperationsanfragen, aber ich möchte das nicht. Ich kaufe meine Socken selbst. Ich bin Musiker. Daher gilt für mich: „Schuster, bleib bei deinen Leisten“ – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich fange da nicht an rumzuspinnen.

Stadlpost: Planst du weitere Duette mit deiner Schwester, oder ist Sarah in deinen Augen bereits flügge geworden?

Ben Zucker: Ich glaube, ich habe ihr eine gute Startrampe geboten. Wir sind gut zusammen losgegangen. Ich glaube, nun ist ein guter Moment, wenn auch in schwerer Zeit, wenn sie jetzt alleine geht. Natürlich stehe ich ihr zur Seite und helfe ihr, so gut ich kann. Aber ich glaube, wenn sie ihren eigenen Weg weitergeht, den sie ja jetzt schon gut begonnen hat, kann man über ein weiteres Duett natürlich nachdenken.

Stadlpost: Wie hast du es geschafft, dich selbst aus der Corona-Lethargie zu befreien? Gab es womöglich wie bei vielen von uns so etwas wie eine Vorstufe der Depression?

Ben Zucker: Depression nicht, aber ich bin in der Tat nach der Arenatour in ein kleines Loch gefallen. Alles war ohne Ziel. Keiner wusste, wie lang das dauert. Da habe ich dann schon ungesund gelebt. Kompensation habe ich gefunden, indem ich Pizza bestellt, Alkohol getrunken, vielleicht auch etwas zu viel, mich wenig bewegt habe und auch zugenommen habe. Das war ein schleichender Prozess, den ich dann geändert habe.

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