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 Allmächd!! Fränkisch ist ein Dialekt-Mix der ganz besonderen Art

„In ganns Unnerfrangn gibt’s wahrscheinds dausende Dialegde, gwasi in jeden Ort enn.“ (aus Asterix – „Die Fråche der Ehre“ auf Mainfränkisch)

Fränkisch? Gibt’s nicht! Zumindest kann man diesen deutschen Dialekt nicht vereinheitlichen oder unter einen Hut stecken. Und meist schon gar nicht verstehen. So wie sich die Franken selbst in ihrer Mentalität unterscheiden, so divers sind auch die Sprachvarianten.

Grundsätzlich ist Franken in die drei Teile Ober-, Mittel- und Unterfranken geteilt, administrative und sprachliche Grenzen sind aber nicht deckungsgleich.

So lappt in der Gegend von Nürnberg das Bayerische in das Fränkische hinein, weiter nördlich das Thüringische. Im Südwesten macht das Schwäbische seinen Einfluss geltend und im Nordwesten sprechen manche schon Hessisch.

Als Beispiel, in Nürnberg nennt man ein Mädchen „Madla“ in Fürth Madli und in Alfeld bei Hersbruck Meudla – das alles passiert im Umkreis von rund 30 Kilometern. Soll heißen, als „fränkisch“ werden innerhalb des deutschen Sprachraums traditionsgemäß mehrere Dialekte bezeichnet, die rein sprachlich nicht viele Gemeinsamkeiten haben. Die Benennung ist vielmehr historisch motiviert. Die fränkischen Dialekte sind in Gebieten verbreitet, die bereits vor Karl dem Großen zum Fränkischen Reich gehörten. Dazu zählen auch die Niederlande und Belgien. Die moderne niederländische Standardsprache beruht auf einem Dialekt, der als „Niederfränkisch“ bezeichnet wird. Das Alt-Niederfränkische dürfte weitgehend der Sprache gleichen, die die germanischen Eroberer Frankreichs im sechsten Jahrhundert n. Chr. benutzten.

„Fei“ – das fränkische Universalwort Kaum ein anderer Begriff ist so allgegenwärtig wie das kurze Füllwort „fei“. Seinen Ursprung hat das Wort im lateinischen Begriff „finis“ für „Ende“. Über das französische „fin“ kam es vermutlich im zwölften Jahrhundert in den Süden des heutigen Deutschlands. Damals bedeutete „fei“ in etwa „bis hierhin und nicht weiter“ oder „endlich“ – wie in „das ist fei verboten“ oder „sieh fei zu, dass du dein Zimmer aufräumst“. Im Laufe der Zeit haben sich noch weitere Bedeutungen etabliert. So wird „fei“ auch verwendet, um einer Aussage besonderen Nachdruck zu verleihen: „Ich hab fei Hunger“ oder „Das tut fei weh“.

Fränkische Zeitangaben

Ein weiteres besonderes Merkmal der Franken sind ihre Zeitangaben, die vor allem bei Nordlichtern für Verwirrung sorgen können. Die Angaben „viertel“, „halb“ und „dreiviertel“ beziehen sich auf die folgende volle Stunde. Wenn es bei uns also „viertel sieben“ ist, dann ist es anderswo „viertel nach sechs“ oder 6:15 Uhr. Um „dreiviertel sieben“ ist es dementsprechend „viertel vor sieben“ oder 6:45 Uhr.

Musikalische Vertreter:

Die Dorfrocker. Geburtsort: Bamberg, Wohnort: Kirchaich, Lieblingswort: Schäuferla – Fränkisches Nationalgericht aus der Schweineschulter. „Heimat, das ist das Gefühl von Unbeschwertheit auf dem Land mit vertrauten Personen um uns herum“: Dessen sind sich die drei Brüder einig. Dass sie auf ihre Herkunft stolz sind und sich nicht schämen, „Dorfkinder“ zu sein, haben Markus, Philipp und Tobias schon erfolgreich mit ihrer Musik bewiesen.

Da darf dann schon auch ein bisschen der Dialekt durchblitzen. „Sprache ist Verständigung und Authentizität! Wir lieben es, wenn Menschen so sprechen, wie sie sind. Für uns sind vielmehr Menschen komisch, welche sich von außen verbiegen lassen und versuchen, gestellt Hochdeutsch zu sprechen und das dann nicht hinkriegen“, schmunzelt Markus, der es auch schade findet, dass der originale Dialekt durch die große Mobilität und den Umzug in die Stadt in ihrer Generation deutlich weniger wird. „Wir sind und bleiben DORFROCKER. Also wer, wenn nicht wir, darf mit Dialekteinfärbung singen und sprechen? Wir sind kein Fake oder eine Casting-Band – wir sind so, wie wir sind.“ Dass dieser Weg gut und richtig ist, zeigt nicht zuletzt die Karriereleiter, die die drei seit Kindesbeinen an stetig bergauf steigen. Was mit Volksliedern aus der Heimat begann, wurde im Laufe der Zeit ein eigenständiger Volks-Rock-Stil.

Heute blicken die Musiker auf 120 Live­shows, 1500 Liveauftritte, Echo-Nominierungen und Platzierungen in den Albumcharts zurück. Das aktuelle Projekt, die Single „Der King“, richtet sich übrigens auch an alle Landwirte, und wird nicht nur von denen äußerst gut angenommen. Der Song knackte innerhalb kürzester Zeit die YouTube-Klickzahl von einer Million. Nächstes Projekt: Im Sommer wollen die Brüder mit dem Traktor gemütlich nach Mallorca tuckern. 

Wörterbuch: Fränkisch – Deutsch

Aadöbfl – Kartoffel / Babberdeggl – Pappkarton / Greddsn – Wäschekorb / Mugg – Stubenfliege / Schdaffl – Treppe / Öbflgrübbs – Rest vom Apfel /
Kannabee – Sofa / Höiberla – Preiselbeeren / Fei – wichtigstes Füllwort zur Verstärkung der Satzaussage / Bödla/Laabla – Brötchen, Semmeln /
Lebkoung – Lebkuchen

Der weiche Dialekt

• P, t und k werden zu b, d und g weichge- schmolzen. So wird aus dem Opel der Obel und aus dem Politiker der Bollidiger. • Das „K“ ist nur unterschwellig vorhan- den, zum Beispiel in „Karraasch“ (Garage).

• Das „Z“ und teilweise das „C“ ersetzt der Franke phonetisch durch „ds“.

• Das „G“ wird ebenso verwandelt – aus Würzburg wird Wörzburch.

• Ebenso charakteristisch, überhaupt für Oberfranken, ist das rollende „R“.

• Zusätzlich gibt es auch noch das „å“, eine Lautvermischung aus „a“ und „o“, die allerdings auch nicht geschrieben wird. Beispiel: Bånåne.

• Als Verniedlichung werden je nach Region „-la“, „-li“, auch „-le“ anstelle von „-lein“ und „-chen“ verwendet.

Grammatik

Die fränkische Grammatik ist für viele schwer nachvollziehbar, da sie auf ein Minimum reduziert wird.

• Unbestimmte Artikel (ein, eine) werden grundsätzlich zum „a“.

• Der Genitiv existiert nicht und wird ge- nerell durch den Dativ ersetzt: Dem Bfarra sei Fraa = Die Frau des Pfarrers.

• Neben dem Präsens existiert nur eine einzige Form der Vergangenheit, nämlich das Perfekt. „Er kam“ und „Er war gekommen“ heißen im Fränkischen einfach nur „Er is kumma“ (Er ist gekommen).

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