STADLPOST

© Günter Hofer/Schwabenpress
3. Juni 2017

Tony Marshall: Für nichts in der Welt würde ich mehr in den ‚ZDF-Fernsehgarten‘ gehen!

Wir sprachen mit dem „Fröhlichmacher der Nation“ über Alterskriminierung …

 

Andy Tichler (smago! & Stadlpost): „Lieber Tony Marshall, wie würden Sie reagieren, wenn morgen der Fernsehgarten anrufen würde und Sie doch in die Show einladen würde?“

Tony: „Da würde ich für nichts in der Welt hingehen. Ich gehöre noch zu den Menschen, für die ein „Ja“ ein Ja ist und ein „Nein“ ein Nein. Das habe ich nicht nötig. Die sollen ihre Sendung weiterhin gestalte … Sie glauben, sie machen es richtig. Für mich ist die Sache erledigt.“

Tichler: „Was sagen Sie umgekehrt zur Welle an Solidarität, die Sie in der Angelegenheit durch Ihr Publikum erfahren?“

Tony: „Das liegt daran, dass ich die Wahrheit sage – es gibt viele Künstler, die haben den Mut nicht, sich zu beschweren, weil sie Angst haben, abgestraft zu werden. Wenn Sie heute mitten im Berufsleben sind und in Richtung ARD und ZDF Kritik üben, dann sind sie weg. Die kommen dann auf den Index, und dann ist es aus für die. Ich bin kurz vor 80 – ich kann mir jetzt endlich auch mal erlauben, das Maul aufzumachen. Ich rede im Sinne der 30 bis 35 Millionen älterer Menschen im Lande, die ihre Rundfunkgebühr bezahlen, und die haben auch ein Recht auf Unterhaltung, und das wird sträflich vernachlässigt. Und da möchte ich, solange ich es noch kann, versuchen, ein Gleichgewicht zu erreichen. Ich kann mit Profession Musik machen. Die jungen Redakteure denken nur an sich, aber die haben einen Auftrag, eine Mission zu erfüllen. Sie werden bezahlt von diesen älteren Menschen, beziehen ein Gehalt und müssen, wenn sie ein Programm gestalten, auch an die älteren Menschen im Land denken. Das ist meine Meinung, an der werde ich mich orientieren und werde auch immer, wenn nötig, zur Verfügung stehen – in der Öffentlichkeit oder sonst wo. Das finde ich eine Ungerechtigkeit. Ich rege mich darüber auf. Diese jungen Redakteure – wenn sie Glück haben, werden die auch älter, und dann kriegen die eine andere Einstellung. Dann sagen sie: Ach damals – kann ich mich erinnern – vor 30, 40 Jahren – der Tony Marshall hat ja Recht gehabt – darauf kommt es an!“

 

Karl Moik und Tony Marshall beim Silvesterstadl 2003 aus Hannover.

 

Tichler: „Sie hatten selber erfolgreiche Sendungen – ausgerechnet im ZDF – schmerzt die Abweisung da besonders? Ist das Altersdiskriminierung?“

Tony: „Das ist ja schon sehr lange her, 1982 war die erste Sendung und Anfang der 1990-er die letzte. Wir haben Millionen von Menschen erreicht. Ich hatte alle großen Stars, sogar Weltstars, der damaligen Zeit in meiner Sendung. Dann kam aber das private Fernsehen, und der Kohl wurde geteilt. Da kann man nichts dran aussetzen. Aber ich hatte damals die Shows gemacht, und es hat große Freude bereitet – aber das ist nun Vergangenheit – vorbei. Wenn ich über diese wunderbaren Jahre nachdenke, gibt mir das ein Gefühl der Zufriedenheit, und mehr kann man nicht erreichen und auch nicht erwarten vom Leben.“

 

HINWEIS: Ein ausführliches Interview mit Tony Marshall finden Sie in der nächsten Ausgabe der „Stadlpost“, die am 4. Juli 2017 in den Zeitschriftenhandel kommt.

 

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