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Norbert Rier
© Kerstin Joensson
31. Oktober 2016

Norbert Rier: „Arroganz ist eine der Eigenschaften, die ich am meisten hasse“

Seine Familie und seine Arbeit erden ihn

 

Seit über 30 Jahren steht Norbert Rief mit den Kastelruther Spatzen auf der Bühne. Dass er damit so viel Erfolg haben wird, hat sich bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt zu Silvester 1979 nicht ausgemalt. In all den Jahren, sind sich die Spatzen aber treu geblieben – immer noch geht es in ihren Liedern vorwiegend um die Liebe und um ihre schöne Heimat. Ihr Erkennungszeichen: Immer noch die Kastelruther Tracht. „Ein Thema, wo wir uns anfangs stark wehren mussten. Bei den Fernsehauftritten hieß es regelmäßig: Nein, mit dieser Tracht geht das nicht und wir sollen uns bitte anders anziehen. Aber wir hatten keine andere Garderobe dabei als die ‘Kurzen’. Und inzwischen kann man sich das gar nicht mehr anders vorstellen. Tracht bedeutet ja immer auch Heimatverbundenheit und Bodenständigkeit. Ich erinnere mich an die Echo-Verleihungen, bei denen wir wir schon einige Male in der Kastelruther Tracht aufgetreten sind. Und das ist bei allen super angekommen. Auch wirklich große Künstler wie Robbie Williams haben zu uns gesagt: Ich finde das super, so kennt man euch“, so Norbert nun in einem Interview.

 

Die Kastelruther Spatzen

 

Und wie so oft, kommt mit dem Erfolg und der Anerkennung auch der Neid. Doch der bodenständige Südtiroler siehts gelassen und erklärt sich dieses Phänomen so, wie viele andere Dinge im Leben: Mit Sprichwörtern. „Ich habe mich immer wieder auf alte Sprichwörter bezogen, wie etwa: Neid musst du dir hart erarbeiten, Mitleid bekommst du geschenkt. Wenn man beneidet wird, ist das immer ein Zeichen, dass man es zu etwas gebracht hat“, so der Musiker weiter.

 

Trotzdem hat Norbert Rier, der neben seiner Musik auch eine preisgekrönte Haflingerzucht betreibt, nie die Bodenhaftung verloren. Er sei ein ganz normaler Mensch, der einer ganz normalen Arbeit nach gehe, so Rier und sagt weiter: „Nichts ist selbstverständlich. Und wenn uns gedankt wird, für das, was wir machen, freut das einen schon. Aber man muss sich dann auch entsprechend benehmen. Man kann noch so gute Musik machen, aber wenn du als Mensch ein Arschloch bist oder dich weiß Gott wie aufführst… Ich kenne so viele Kollegen, speziell auch in Deutschland, denen der Erfolg, den sie einmal gehabt haben, zu Kopf gestiegen ist. Das stößt mich persönlich ab. Arroganz ist eine der Eigenschaften, die ich am meisten hasse.“

 

Norbert Rier

 

Wie er es schafft, bei all dem Ruhm und Erfolg mit beiden Beinen fest am Boden zu bleiben, erklärt der zweifache Opa so: „Ganz wichtig ist das Bewusstsein, dass man die Fans in dieser Branche braucht wie die Luft zum Atmen. Aber ich kann nur für mich sprechen, denn einige von uns Spatzen haben sich im Laufe der Zeit doch verändert. Leider, muss ich sagen. Vielleicht weil sie neben der Musik zu wenig zu tun haben. Ich sehe das bei mir: Es ist wichtig, dass es daheim viel Arbeit gibt, viel Stress. Ebenso wichtig ist natürlich die Familie und eine Frau, die hinter dir steht. Und vielleicht das Glück, von Haus aus nicht so anfällig zu sein. Ich bin jemand, der gerne unter Leuten ist. Für mich ist es ganz normal, ins Dorf zu gehen oder in die Kirche – ein ganz normales Leben zu führen. Aber klar, die Gefahr ist da. Ich weiß, wie das ist. An diesem Punkt muss ich sagen, dass ich tatsächlich einen Schutzengel gehabt habe und mich nicht zu gewissen Sachen habe hinreißen lassen. Es geht darum, das Gesicht und den Boden unter den Füßen nicht zu verlieren.“

 

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