STADLPOST

20130701_PD5141.HR
© Neumayr / picturedesk.com
26. März 2016

Wolfgang Moik: „Der Papa fehlt an allen Ecken und Enden”

Servas, pfiat Gott und auf Wiedersehen. Heute, am 26. März jährt sich zum ersten Mal der Todestag von TV-Legende Karl Moik. Seine Fans, Freunde und auch seine Familie haben inzwischen gelernt, mit dem Schmerz zu leben, aber noch immer nicht mit dem Verlust.

 

Musik hat ihn sein ganzes Leben lang begleitet: Der 1938 in Linz geborene Karl Moik wuchs als Kind einer alleinerziehenden Mutter in bescheidenen Verhältnissen auf. Früh lernte er Klavier und Akkordeon zu spielen. Doch bevor seine Karriere im Showgeschäft begann, lernte er etwas „Gescheites“: Nach seiner Ausbildung zum Werkzeugmacher arbeitete er als Vertreter für Öfen, Kopiergeräte und Fernsehantennen. Anfang der 70er machte er zum ersten Mal mit der Moderation der „Volkstümlichen Hitparade“ im Radio auf sich aufmerksam.

 

Freudentränen

Die Idee einer volkstümlichen Unterhaltungssendung im Fernsehen hat er lange mit sich herumgetragen. Viele Gespräche wurden geführt, bis er sie eines Tages verwirklichen konnte. Damals, so heißt es, habe Moik vor Freude geweint. Sein Sohn Wolfgang, heute selbst ein begnadeter Regisseur und Kameramann, erinnert sich noch gut daran, wie sein Vater den „Musikantenstadl“ entwickelte. „Er hatte drei Konzepte in der Tasche, die er Harald Windisch (dem damaligen ORF-Unterhaltungschef, Anm. d. Red.) präsentierte. Eine Country-Sendung, einen Frühschoppen und dann eben noch den Musikantenstadl.“

 

20050614_PD6179.HR
Musikanten im Stadl: Wie eine große Familie. Im Bild: Semino Rossi, Karl Moik, Marcel, Dagmar Koller, Marc Pircher.

 

Musikantenstadl

Vor 35 Jahren, am 5. März 1981, ging dann in Enns in Oberösterreich der erste „Stadl“ über die Bühne. Ein Triumph für den Mann, der stets neue Ziele verfolgte. „Ich war immer ehrgeizig“, bekannte Moik, der in jungen Jahren sogar das Ziel hatte, Papst zu werden. „Aber ich bin froh, dass daraus nichts wurde. Das Leben ist so schön.“ Der Stadl war seit Anbeginn ein voller Erfolg. Moik selbst übernahm die Moderation und mit seinem lässigen, legeren Stil und Schmäh gewann er binnen kürzester Zeit die Herzen der Volksmusik-Fans. Bis zu sieben Millionen Fernsehzuschauer erfreuten sich am Samstagabend am Musikantenstadl. Karl Moik verstellte sich nie, er war authentisch, und das liebten seine Fans.

 

20130701_PD4306.HR
Sie waren mehr als gute Freunde: Karl Moik und Stefan Mross.

Wegbereiter

Wie viele Künstler gibt es, die Karl Moik ihre Karriere zu verdanken haben? Viele! Hansi Hinterseer, Semino Rossi, Stefanie Hertel, Stefan Mross, Florian Silbereisen – was wäre wohl aus ihnen geworden, wenn Karl ihnen nicht diese Plattform gegeben hätte? Er hatte immer den richtigen Riecher, wenn es um neue Dinge ging. Nicht umsonst wurde er auch der „Volksmusikpapst“ genannt. Wolfgang erinnert sich: „Der Papa, der hat den Stadl gelebt, er ist mit ihm aufgestanden und am Abend mit ihm schlafen gegangen. Und wenn er mitten in der Nacht eine Idee hatte, dann stand er auf und schrieb das Programm kurzerhand um.“ Was der Papa wohl heute dazu sagen würde, dass es den „Stadl“ nicht mehr gibt – dazu wollte sich Wolfgang nicht äußern.

 

Viele Talente

Doch Karl Moik moderierte und sang nicht nur in seinem Stadl, er bewies sich immer wieder auch als Schauspieler. So wirkte er im „Tatort“ mit, drehte für die Bastei Collection sechs Spielfilme und war in „Das Musikhotel am Wolfgangsee“ zu sehen.

 

20120428_PD2996.HR
Karl Moik mit seiner Edith.

Familie

Nach seiner letzten Sendung zu Silvester 2005, bei der er einen Schwächeanfall erlitt, wurde es etwas stiller um Karl Moik. Die Auftritte des Vollblutshowmasters wurden rar. Er ­widmete sich zuletzt vor allem seiner Familie. Mit seiner Gattin Edith, die ihm 1964 das Jawort gab, verbrachte er bis zu seinem Tod glückliche Ehejahre. Vor allem auch seine Enkelkinder Lisa und Lena machten ihm große Freude. „Sie wohnen nur einige Meter neben uns. Leider hab ich mich mit meinen eigenen Kindern nie so intensiv befasst, das hole ich jetzt mit den beiden ­Spatzerln nach“, sagte er in einem der letzten Interviews mit der STADLPOST. Die letzten Monate waren von Krankheit geprägt, erlitt Moik doch 2014 einen neuerlichen Herzinfarkt. 2015 starb Karl Moik im Alter von 76 Jahren in einem Salzburger Krankenhaus. Zuvor wurde er wegen Nieren- und Herzproblemen behandelt und am rechten Arm operiert.

 

20150330_PD2882.HR
Das Grab in Oberalm bei Salzburg.

 

Wir vermissen ihn

Ein Jahr ist es nun her, und wir vermissen ihn sehr – nicht nur seine Fans und Freunde, sondern vor allem natürlich auch seine Familie. Sohn Wolfgang kann den Verlust immer noch nicht ganz in Worte fassen: „Der Papa fehlt an allen Ecken und Enden. Es ist immer noch nicht begreiflich, dass er nicht doch um die Ecke kommt und sagt, er möchte mit mir einen Kaffee trinken. Das war so üblich, dass er zwei- bis dreimal in der Woche zu mir gekommen ist. Wir wohnen ja gegenüber. Aber das Leben geht weiter und in dieser Fassungslosigkeit muss man trotzdem seinen Weg beschreiten. Die schwerste Zeit, das erste Weihnachten ohne Papa, haben wir alle gut überstanden. Am meisten bewundere ich die Mama, die macht das richtig gut, und ich finde es schön, dass sie jetzt langsam wieder etwas unternimmt.“ Dass er einst in den Himmel kommen würde, sah Moik mit ironischem Blick. „Nachdem ich weiß, wie Musiker leben, kann ich mir nicht vorstellen, dass die in den Himmel kommen. Inklusive mir. Auch wenn ich vielen Menschen Freude bereitet habe. Ich verlasse mich nicht darauf“, sagte er lächelnd.

 

TAGS: Karl Moik / Musikantenstadl