STADLPOST

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© Kerstin Joensson/Stadlpost
26. März 2016

Der Reindling-Spezialist

Wir alle freuen uns auf das Osterfest! In Kärnten, der Heimat von Gottfried Würcher vom „Nockalm Quintett“, hat der Reindling zwar das ganze Jahr über Saison. Gerade aber am Ostersonntag darf das traditionelle Oster-Gebäck absolut nicht fehlen.

 

Ostern erlebte der Frontman der Nockis anders als Kinder heute: „Das war eine ganz andere Zeit, damals. Nicht so wie heute wo Kinder meist überhäuft werden mit Geschenken. Wir bekamen vielleicht mal eine Hose, und diese wurde so oft geflickt, bis es gar nicht mehr ging, oder eine Jacke, und das war schon sehr viel.“ Gottfrieds Vater war Alleinverdiener und seine Mutter Hausfrau und es gab ja noch drei andere Brüder, die durchgefüttert werden mussten. Große Sprünge konnten hier keine gemacht werden. Aber als er von seiner „Goti“ – Taufpatin – zu erzählen beginnt, fängt er an zu strahlen. „Der Ostersonntag war für uns so wie Weihnachten oder ein Geburtstag, ein ganz besonderer Tag. Dann ist meine Taufpatin gekommen, „Gotenreindling tragen“. In der traditionellen Mehlspeise war ein 25-Schilling-Taler versteckt. „Das war das Größte für uns Kinder, das war damals viel Geld und wir haben uns riesig darüber gefreut. Heute würde jeder schmunzeln, wenn € 1,80 drin liegen würden. Ja, es war eine andere Zeit.“

 

Der Reindling stammt übrigens aus dem 16. Jahrhundert vom Balkan und wurde ursprünglich mit Käse, Kartoffeln und Grammeln gefüllt. Als die Kärntner Bauern später auf der Suche nach einer
Süßspeise für besondere Anlässe waren, befüllten sie den Germteig einfach mit Rosinen, Zimt und Zucker. Das war die Geburtsstunde des Reindlings. Der Name kommt im Übrigen von der Backform, dem sogenannten „Reindl“, einer flachen Kasserolle. Aus optischen Gründen gibt man ihn heutzutage gerne in eine Gugelhupfform. In Kärnten wird der Reindling am Ostersonntag zum Abschluss der 40-tägigen Fastenzeit am liebsten zusammen mit Osterschinken, Würsten, Kren und gefärbten Eiern gegessen.

 

Als Kind durfte Friedl seiner Mutter beim Färben der Eier helfen. „Auch hier war alles sehr einfach, zwei, drei Farben, und nach dem Trocknen haben wir sie mit einer Speckschwarte aufpoliert. Aber man kann sich denken, wie ich danach ausgeschaut habe – wie ein kleines Ferkel, und die Farben sind auch so schwer von den Fingern abgegangen“, lacht Friedl mit einem spitzbübischen Grinser. Und da sehen wir ihn, den kleinen Kärntner Buben, in seiner geflickten Hose.

 

Für die Leserinnen und Leser der Stadlpost verrät uns Friedl das traditionelle Reindling-Rezept seiner Familie. Keine Selbstverständlichkeit, ist es doch ein Spezialrezept von seiner geliebten „Goti“, die ihn sicher auch dieses Jahr mit diesem schmackhaften Germkuchen am Ostersonntag besuchen wird.

 

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Friedls Kärntner Reindling

 

1–1,5 Pkg. Trockengerm
500 g Mehl (glatt)
60 g Zucker
60 g Butter
¼ Liter Milch
2 Eier
1 TL Salz
Rosinen, Rum
Zimt, Zucker (zum Bestreuen)
Dottermilch (zum Bestreichen)

 

Zubereitung:

  1. Die trockenen Zutaten vermischen. Dann ¼ Liter Milch mit 1 Ei, 1 Dotter, 60 g Butter und etwas Rum erwärmen, mit der Schneerute versprudeln und zu Mehl, Zucker und Trockengerm geben.
  2. Mit dem Kochlöffel alles zusammen verrühren. Mit den Knethaken ca. 10 Minuten gut abkneten. Den Teig zugedeckt gehen lassen. Den aufgegangenen Teig nochmals kneten und abermals ca. 20 Minuten aufgehen lassen.
  3. Danach den Teig ½ cm dick zu einem Rechteck auswalken. Mit Zucker, Zimt und Rosinen bestreuen. Den gefüllten Teig fest zusammenrollen. Schneckenförmig in ein befettetes Reindl legen, ca. 30 Minuten aufgehen lassen, mit Dottermilch bestreichen und bei Heißluft (160° C) ca. 50 Minuten backen.

 

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