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7. März 2016

Heino: „Dieser Tatort war überflüssig“

Die Schlager- und Volksmusikbranche kam beim gestrigen Tatort alles andere als gut weg: Es war eine Abrechnung mit der viel zitierten „heilen Welt“, doch eine so gewaltvolle und fast schon lächerliche, dass viele Stars und und Fans der Branche diesen Tatort als Affront gegen die Schlagerwelt sehen.

 

„Das Drehbuch kann nur ein Mann geschrieben haben, der von banalen Vorurteilen gegenüber Volksmusik geprägt ist und sich nie wirklich mit uns beschäftigt hat“, ärgerte sich Heino in einem Interview. „Dieser Tatort war überflüssig und verhöhnt nicht nur meine Kollegen, sondern auch unsere vielen Fans“, so der Musiker weiter.

In „Auf einen Schlag“ war es der erste Fall für die Kommissarinnen Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Henni Sieland (Alwara Höfels) und es ging tatsächlich alles Schlag auf Schlag: Im ARD-Krimi drehte es sich um die Welt der Volksmusik und des Schlagers, um zwielichtige Geschäfte, alternde Stars und den schönen Schein. Ständig betrunkene Bandmitglieder, die selbst der Tod eines Kollegen völlig kalt zu lassen schien, fast schon fanatische Fans und Musiker und Musikerinnen, die als höchst naiv dargestellt wurden, und Ausländer- und Schwulenfeindlichkeit zeichneten das Bild der Schlagerwelt in Dresden.

 

Das erste
Team Dresden: Martin Brambach, Karin Hanczewski, Alwara Höfels und Jella Haase

 

Fleißig wurden alle Klischees bedient: Die Kinderstars „Toni und Tina“ stellten als gut eingespieltes Ehepaar den Inbegriff der heilen Welt dar. Doch in Wirklichkeit war alles mehr Schein als Sein: Die Ehe arrangiert, da Toni seine Homosexualität zu verdecken versuchte, und Tina ging in der Rolle der unbedarften Frau an seiner Seite voll auf. Soweit so gut, bis Toni sich dazu entschied, sich in einem Buch zu outen: Mit einem geldgierigen Manager im Rücken, plante sie kaltblütig den Start ihrer Solo-Karriere als trauernde Witwe. Zwischenzeitlich traten die gewaltbereiten Bandmitglieder der „Herzensbrecher“ als Knochenbrecher auf und schlugen nicht nur ihren schwulen Bandkollegen krankenhausreif, sondern die junge und lieb gewonnene Polizeianwärterin Maria Magdalena (Jella Haase) gar tot.  Der Chef der beiden Kommissarinnen, Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) war längst nicht in der Moderne angekommen und äußerte sich durchgehend Frauen-, Schwulen- und Ausländerfeindlich und die Schlager- und Volksmusikfans wurden als dümmlich und völlig durchgedreht dargestellt. Willkommen in der Schlagerhölle! – die Fans und Stars der Branche sind sich einig, dass in diesem Tatort ein überaus hässliches Bild der Schlagerbranche einem fast 10-Millionenpublikum präsentiert wurde.

„Den Tatort-Machern ist nichts Besseres eingefallen, als unsere Branche gehörig durch den Dreck zu ziehen. Schade, dass man uns Volksmusiker immer so negativ darstellen muss“, waren auch das Schunkel-Duo Marianne und Michael, die wohl selbst einige Parallelen zwischen sich selbst und dem Schlagerpaar „Toni und Tina“ entdecken konnten, verärgert.

 

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Das deutsche Moderatoren- und Gesangduo „Marianne und Michael“ ist seit 1973 ein Paar.

 

Neben Stefan Mross, war auch die Band Voxxclub in einem kurzen Einspieler im „Tatort“ „Auf einen Schlag“ zu sehen. Christian Schild kritisierte das verzerrte Bild, das der Krimi vermittelte: „Ich finde die Darstellung der Band schwulenfeindlich. Homosexualität in der Volksmusik wurde als ein riesiges Problem dargestellt. Ich selbst habe mich zum Schwulsein bekannt und keine einzige negative Reaktion bekommen. Wenn ich solch dummen Szenen sehe, könnte ich im Strahl kotzen.“ Besonders der Sänger Florian, fühlte sich durch die Parallele, die zwischen der fiktiven Volksmusikband „Herzensbrecher“ und voXXclub deutlich sichtbar war: „Der Film hat die Grenzen zur Geschmacklosigkeit überschritten. Die Typen in der Film-Band wurden als rücksichtslose Säufer dargestellt. Jedes negative und veraltete Klischee wurde bedient.“

Auch die bekennenden Tatort-Fans, die Dorfrocker melden sich auf Facebook zu Wort und finden versöhnliche Worte:

 

Hauptsache die Quote stimmte: Nicht nur bei „Stromberg“ hast der Drehbuchautor Ralf Husmann einen guten Riecher. Für sein Tatort-Debüt entschied er sich für eine überspitzte Milieustudie der Schlager- und Volksmusik, weil dort nach eigenen Worten „noch Rock n‘ Roll drin ist“. Immerhin erreichte der Sonntag-Abend-Pflichttermin mit 9,55 Millionen Zuschauern eine sehr gute Quote.

 

 

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