STADLPOST

23. Januar 2016

Man kann uns die Sendung wegnehmen, nicht aber die Musik 

Deutlich wie kein anderer hat Stefan Mross gleich nach der ersten Sendung seinem Ärger über die als „Stadl 2.0“ angekündigte neue Sendung „Stadl­show“ Luft gemacht. Er blies dabei derart vehement zur Attacke, wie er es sonst nur mit seiner Trompete getan hat. „Traurig und enttäuscht“ sei er, „dass man mit Gewalt eine der letzten Kult-Unterhaltungs-sendungen an die Wand spielt.“

 

Diese Worte zeigen wirklich, wie nah ihm das ging, was da mit dem Musikantenstadl in den letzten Monaten aufgeführt wurde. Bei seinem Ärger schwang wohl auch die ­Erinnerung an die vielen schönen gemeinsamen Stunden mit Karl Moik oder Andy Borg mit, in denen man – wie so oft – im gemütlichen Ambiente des Musikantenstadls gemeinsam musiziert, gesungen und gelacht hat.

 

Stefan Mross wusste vermutlich auch schon, dass er diese früher so leicht und lustig über den Schirm flatternde Sendung in Wirklichkeit nicht mehr retten konnte. Und das, obwohl er ihr, wie so viele andere Künstlerkollegen auch, eigentlich so vieles zu verdanken hat: Machte sie doch aus einem jungen und völlig unbekannten Trompeter einen Superstar der Volksmusik.

 

 

Krampfhafte verjüngung

Der Musikantenstadl hätte heuer sein 35-jähriges Jubiläum gefeiert und noch immer ein Millionenpublikum vor den Fernsehgeräten versammelt. Zwar waren die Zuschauerzahlen in den letzten Jahren nicht mehr ganz so hoch wie früher, aber immer noch weit über dem Durchschnitt anderer Samstagabendsendungen. Doch diese knapp vier Millionen Fernsehzuschauer reichten den TV-Bossen nicht mehr. Es genügte offensichtlich nicht mehr, „nur“ eine ausgelassene und unterhaltsame Sendung am Samstagabend zu bieten, bei der das Publikum zwei Stunden lang Sorgen, Alltag, Krankheit oder Trauer vergessen und in eine heile Welt voll Musik und purer Lebensfreude eintauchen konnte. Entstaubt musste sie werden, hipper und jugendlich. „Ich weiß nicht, ob man den Musikantenstadl krampfhaft verjüngen muss“, warnte damals sogar Andreas Gabalier, der eigentlich wie kein anderer für eine neue Generation der volkstümlichen Musik steht. Doch weder auf ihn noch auf Stefan Mross wurde gehört.

 

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Kein Platz für Andy Borg

Das musikalische Spek­trum zu erweitern und ein jüngeres Publikum anzulocken, das sollten die Sängerin Francine Jordi und der (volks-)musikalisch völlig unbedarfte Alexander Mazza übernehmen. Für den langjährigen Publikumsliebling Andy Borg war da einfach kein Platz mehr. Der reagierte nach außen hin in typischer Manier mit einem Schmäh: „Ja, ich brauche seit einigen Monaten eine Lesebrille … was soll ich machen?“ Wie sehr es aber tatsächlich schmerzen musste, einfach so „entsorgt“ zu werden, das konnten viele treue Stadl-Fans auch ohne weitere Worte mitfühlen. Diese forderten daraufhin nicht nur vehement die Rückkehr des beliebten Entertainers, sondern boykottierten fortan sogar alles, was im Zusammenhang mit der neuen Stadlshow stand.

 

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Späte Einsicht

Zwei nüchterne Absätze in einer Presserklärung reichten schließlich den Sendungsbossen, um eine der erfolgreichsten Unterhaltungssendungen aller Zeiten, die vier Generationen von Fernsehzuschauern glücklich gemacht hat, in den Zwangsruhestand zu schicken. „Nach eingehender Analyse der beiden Sendungen im September und zu Silvester sind die Partnersender ORF, BR / Das Erste und SRF zu dem Entschluss gekommen, die regulären Ausgaben der ‚Stadlshow‘ nicht fortzusetzen.“ Hinter vorgehaltener Hand haben ein paar wenige Sendungsmacher gegenüber der Stadlpost dennoch Einsicht gezeigt: Es sei einfach ein Fehler gewesen, Andy Borg so hinauszuschmeißen und die Sendung auf einmal so stark zu verändern, bringt es ein ­Insider, der namentlich nicht genannt werden möchte, auf den Punkt. Allerdings kam diese Erkenntnis nun viel zu spät.

 

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Jetzt heißt es zusammenhalten!

War der Musikantenstadl nur eine Sendung von vielen? Nein, mit Sicherheit nicht. Aber sie ist nun eine von vielen Sendungen – wie etwa auch die „Krone der Volksmusik“, der „Grand Prix der Volksmusik“ oder „Herzlichst Hansi Hinterseer“ – die im öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit Ignoranz und abwertender Hochnäsigkeit gegenüber jeglicher Volks- und volkstümlicher Musik abgesetzt wurde. Einmal mehr wurden damit die Wünsche Millionen älterer, aber auch jüngerer Menschen (die schließlich alle Gebührenzahler sind!) einfach übergangen. Aber auch die vielen ­Musikanten, die Jahr für Jahr auf hunderten Konzerten und anderen Festivitäten tausende Musikfans unterhalten, haben eine Plattform verloren, durch die sie sich und ihre Musik einem breiten Publikum präsentieren konnten. Werden so talentierte, junge Künstler überhaupt noch eine Chance haben, sich zu etablieren? Will Volksmusik und Schlager eine Zukunft haben, müssen wir alle jetzt mit vereinten Kräften diesen möglichen Entwicklungen entgegentreten. Deshalb sagen wir nicht „Servus, Musikantenstadl!“, sondern frei nach Andy Borg: Man kann uns die Sendung wegnehmen, aber nicht unsere Musik!

Kommentar von Thomas Ziegler


Musikantenstadlpost

Unser versprechen „Wir Lassen niemanden im Stich“

Die STADLPOST wird sowohl den Fans als auch den Musikanten und vor allem auch den jungen Talenten weiterhin als verlässlicher Partner und Plattform für alle Freunde der Volksmusik und des Schlagers zur Seite stehen. „Wir werden niemanden im Stich lassen. Das Aus der TV-Show ist für das Erscheinen unseres Magazins zweitrangig“, sagen Herausgeberin Astrid Schwenner und Geschäftsführer Andreas Weimann. Die STADLPOST wurde zur 100. Sendung des Musikantenstadls gegründet, und wir werden seine Tradition fortführen.